Praxisbuch Brush Lettering: Ein rundum gelungenes Lehrbuch

Das „Praxisbuch Brush Lettering“ der Kommunikationsdesignerin Chris Campe ist das lang ersehnte Lehrbuch für alle, die Handlettering mit dem Brushpen systematisch lernen oder ihr Können weiterentwickeln wollen. In vier Teilen zeigt die Autorin den Prozess von den ersten Strichstärkenübungen bis hin zum fertigen Lettering.

Chris Campe, Praxisbuch Brush Lettering, Titelseite. mitp-Verlag 2018. Foto: mitp-Verlag

Foto Cover: mitp-Verlag 2018

Ideal für Anfängerinnen

Die beiden ersten Teile „Vorbereiten“ und „Anfangen“ richten sich an Anfängerinnen und Anfänger. Hier geht es um Stifte, Pinsel und Papier, die richtige Hand- und Stifthaltung sowie die Einrichtung eines Arbeitsplatzes, der Lust auf das Üben macht. Zudem erläutert die Autorin anschaulich die wesentlichen Fachbegriffe des Brush Letterings: Auf- und Abstriche, Strichstärkenkontrast oder auch die Anmutung einer Schrift. Nebenbei vermittelt sie kurz und knackig typografisches und gestalterisches Grundlagenwissen, etwa zur Anatomie der Buchstaben oder Proportionen.

Üben, üben, üben

Jedes Brush Lettering beginnt mit Aufwärmübungen, um ein Gefühl für Werkzeug, Bewegung und Rhythmik zu bekommen. Deshalb stehen diese Übungen auch am Beginn des Kapitels „Anfangen“. Hier geht es um Auf- und Abstriche mit variierendem Druck, Schlaufen und Schlangenlinien. Danach widmet sich die Autorin auf mehr als 40 Seiten ausführlich den Grundstrichen des Brush Letterings, den einzelnen Buchstaben und Ziffern sowie den Verbindungen der Buchstaben zu Wörtern.

Chris Campe, Praxisbuch Brush Lettering, Seite 71 und 72. mitp-Verlag 2018. Foto: Janne Klöpper

Schließlich verrät Chris Campe ihre Tipps und Tricks, um zu einem harmonischen Schriftbild zu kommen. Aber ohne Üben geht es nicht! Um das zu erleichtern, gibt es 42 Übungsblätter mit Grundlinienrastern, Aufwärmübungen und Buchstaben, die über die Seite des mitp-Verlags heruntergeladen werden können.

Interessant für Fortgeschrittene

Im dritten Teil des Praxisbuchs steht das „Vertiefen“ im Mittelpunkt. Spätestens hier wird das Buch auch für Fortgeschrittene richtig interessant. Die Autorin erklärt ausführlich, wie Buchstabenform und Zeichenstil variiert werden können, um die Anmutung einer Schrift zu verändern und ihr dadurch einen zum Inhalt passenden Ausdruck zu verleihen. Dabei belässt Chris Campe es auch hier nicht bei theoretischen Ausführungen, sondern zeigt anhand von Beispielen, wie Variationen im Schriftbild tatsächlich aussehen.

Chris Campe, Praxisbuch Brush Lettering, Seite 112 und 113. mitp-Verlag 2018. Foto: Janne Klöpper

Dieses Kapitel enthält auch eine Reihe von Beispiel-Alphabeten mit ganz unterschiedlichen Anmutungen. Bei allen Varianten erklärt die Autorin, wie diese zustande kommen – etwa durch Schwünge, gebrochene Rundungen oder Serifen. Zudem gibt sie Tipps, wie häufige Fehler vermieden werden können.

Bunt und rund

Abgerundet wird der dritte Teil durch die Themen Effekte und Farbe, Schnörkel und Bildelemente. Dabei wird deutlich, dass es dabei um mehr geht als hübsche Zugaben: Schattenlinien und dekorative Elemente lassen sich ebenso wie farbige Schriften nutzen, um Schriftbilder zu strukturieren oder um Wortbedeutungen zu visualisieren.

Chris Campe, Praxisbuch Brush Lettering, Seite 154 und 155. mitp-Verlag 2018. Foto: Janne Klöpper

Vom Buchstaben zum Layout

Natürlich macht es Spaß, einzelne Wörter oder Zeilen in schönen Buchstaben zu schreiben. Zu einem gelungenen Lettering gehört aber mehr. Folgerichtig widmet sich Chris Campe im vierten Teil des Praxisbuchs unter der Überschrift „Anwenden“ der Komposition und dem Layout von Wortbildern. Von der Idee über die Skizze zur Reinzeichnung erläutert sie Schritt für Schritt den Entwurfsprozess. Dabei vermittelt sie gestalterische Grundlagen, etwa zu Format, Flächenaufteilung und Anordnung ebenso wie Kriterien für die Auswahl der passenden Schriftart.

Chris Campe, Praxisbuch Brush Lettering, Seite 192. mitp-Verlag 2018. Foto: Janne Klöpper

Schließlich ermuntert die Autorin dazu, sich ausführlich mit dem zu gestaltenden Text zu beschäftigen und Fragen zu stellen: Was ist der Zweck des Letterings? Für wen mache ich es? Und welche Stimmung möchte ich vermitteln? Darüber hinaus zeigt sie anhand eines Beispiels ausführlich, wie verschiedene Layouts wirken und wie sich die Anmutung eines Letterings durch die Gestaltung verändert.

Konstruktive Selbstkritik üben

Und zu noch etwas ermuntert Chris Campe, nicht nur in diesem Kapitel: zur konstruktiven Selbstkritik. In Bezug auf Komposition und Layout gibt sie Tipps, wie man die Schwächen eines Entwurfs erkennt und korrigiert, wie die Überarbeitung gelingt und die Reinzeichnung entsteht.

Was mir besonders gut gefällt

  • Das „Praxisbuch Brush Lettering“ ist mit den vier Kapiteln „Vorbereiten“, „Anfangen“, „Vertiefen“ und „Anwenden“ klug aufgebaut. Anfängerinnen bietet es eine stringente Einführung in die Grundlagen des Brush Letterings und den Aufbau der einzelnen Buchstaben. Letzteres finde ich besonders hilfreich: Es macht deutlich, dass niemand alle Klein- und Großbuchstaben neu lernen muss, sondern dass sich alle Buchstaben aus wenigen Elementen zusammensetzen, die sich leicht einüben lassen. Das baut die Hürden ab, die manche beim Anblick eines schönen Brush Letterings empfinden.
  • Fortgeschrittene lernen durch das Buch, wie sich Schriften variieren lassen, wie Effekte und Farbe als Gestaltungselemente genutzt werden können und warum Schnörkel mehr als Spielerei sind. Die Ausführungen zum Entwurfsprozess vermitteln das richtige Rüstzeug und ermuntern dazu, eigene Ideen zu entwickeln anstatt – wie bei den meisten anderen Lettering-Büchern – Vorlagen lediglich abzukupfern und nachzumalen.
  • Erwähnen möchte ich hier auch die etwa 150 „guten Wörter“ am Ende des Kapitels „Anfangen“: Sie laden nicht nur ein, Großbuchstaben zu üben.  Diese schönen Wörter wie Augenweide, Budenzauber, Fidibus, Galaxie, Jubeljahre, Luftikus, Puderquaste, Sektlaune oder Zottelbär sind auch eine Fundgrube für Fortgeschrittene, die Lust haben auf die Gestaltung von Wortbildern.
  • Gefreut hat mich auch, dass Chris Campe am Ende des Praxisbuchs einige andere Letterinnen vorstellt, die mit ihren besonderen Ideen die Vielfalt der Szene zeigen, etwa Annika Sauerborn (Frau Annika), Sandra Mesas (Frau Mesas) oder Julia Bausenhardt.

Fazit

Das „Praxisbuch Brush Lettering“ ist ein schön gestaltetes, sehr klares und unaufgeregtes, im besten Sinne des Wortes schnörkelloses Lehrbuch. Die Autorin konzentriert sich auf das Wesentliche: die Vermittlung der Grundlagen und des notwendigen Wissens, um den eigenen Stil zu erkennen und weiterzuentwickeln.
Die einzelnen Kapitel sind klug aufgebaute, in sich abgeschlossene Lerneinheiten. Man merkt, dass viele Erkenntnisse aus den Workshops, die Chris Campe seit Jahren anbietet, eingeflossen sind.
Die 42 Übungsblätter ordnen die einzelnen Buchstaben nicht alphabetisch, sondern zu Grundstrich-Gruppen, was das Üben wesentlich erleichtert.
Ich kann das Praxisbuch allen Anfängerinnen empfehlen, die Brush Lettering richtig lernen wollen. Ich möchte es aber auch den Fortgeschrittenen ans Herz legen, die ihr Repertoire erweitern wollen oder die sich auf den Weg vom schön geschriebenen Wort zum schön gestalteten Lettering begeben möchten.

Ich danke dem mitp-Verlag, der mir ein Rezensionsexemplar dieses Buchs zur Verfügung gestellt hat.

Fakten zum Buch

Chris Campe: Handlettering mit dem Brushpen. Schritt für Schritt von den Grundlagen zum eigenen Stil
Broschiert, 224 Seiten
EUR 27,00
mitp-Verlag 2918
ISBN: 978-3-95845-730-0

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