Lettering-Workshops Teil 2: Gruppengröße, Dauer, Termin und Ort

Weiter geht es mit der Workshop-Planung. Im letzten Beitrag standen Ziele und Zielgruppen im Mittelpunkt. Wenn du weißt, wem du in deinem Workshop was vermitteln möchtest, kannst du die nächsten Schritte machen:

  • Wie viele Teilnehmerinnen sollen es werden?
  • Wie lange soll der Workshop dauern?
  • Wann soll er stattfinden?
  • Wo soll der Workshop sein?

Gruppengröße

Erst wenn du weißt, wie viele Teilnehmerinnen es maximal werden sollen, kannst du einen passenden Raum suchen. Deshalb ist die Gruppengröße der nächste Schritt bei der Workshop-Planung. Kleine Gruppen haben den großen Vorteil, dass du jede Teilnehmerin im Blick behalten kannst. Wenn du einen Workshop für absolute Einsteigerinnen machst, finde ich sieben bis neun Teilnehmerinnen eine ideale Gruppengröße. Dann kannst du allen beim Üben über die Schulter schauen und individuelle Tipps geben. Wenn du dagegen erfahrenen Letterfans zeigen möchtest, wie man Buchstaben variiert und ein richtig gutes Layout für seine Letterings hinbekommt, kann die Gruppe auch etwas größer sein.

Ein Teilnehmer übt beim Lettering-Workshop die Stifthaltung. Foto: Janne Klöpper

Dauer

Wie lange der Workshop dauern soll, hängt ab von deinem Ziel, deiner Zielgruppe und der Gruppengröße. Für einen Schnupper-Workshop Brush Lettering mit maximal zehn Teilnehmerinnen reichen nach meiner Erfahrung drei Stunden aus. Weniger sollten es aber auf keinen Fall sein. Wenn du mit etwa gleich viel Einsteigerinnen so weit kommen möchtest, dass alle mit drei sauber geletterten und ansprechend gestalteten Karten nach Hause gehen, würde ich mindestens fünf, besser sogar sechs Stunden ansetzen. Wenn du mit Teilnehmerinnen, die alle bereits lettern können, Buchstabenvarianten und Layouts ausprobieren möchtest, können drei bis vier Stunden ein idealer Zeitrahmen sein. In jedem Fall musst du genügend Zeit fürs Üben und für individuelle Tipps einkalkulieren. Auch ein oder zwei Pausen sowie das Ankommen und Zusammenpacken solltest du bei der Zeitplanung berücksichtigen.

Tag und Uhrzeit

Das kennst du bestimmt selbst: Im ganz normalen Berufs- und Familienalltagswahnsinn sind die Abende unter der Woche oft verplant mit Yogakurs, Chorprobe oder Theatergruppe. Oder du brauchst die Abendstunden einfach, um ein Minimum an Haushaltskram zu erledigen, um runterzukommen und auch mal nichts zu tun. Viele Kreativ-Workshops finden deshalb am späten Freitagnachmittag, samtags oder sonntags statt. Meiner Erfahrung nach sind das wirklich die besten Wochentage für Workshops. Weitere Erfahrungswerte von mir: freitags nicht vor 16 Uhr, samstags und sonntags nicht vor 10 Uhr beginnen. Für deine Zielgruppe kann das alles jedoch anders sein. Am einfachsten findest du das heraus, indem du zwei oder drei potenzielle Teilnehmerinnen fragst. Wichtig ist nur, dass du Dauer, Tag und Uhrzeit festgelegt hast, wenn du auf die Suche nach einem Raum gehst. Und ebenso wichtig ist, dass du an all dem nicht starr festhältst, wenn du den idealen Ort gefunden hast: Wenn der Traumraum freitags immer erst ab 17 Uhr frei ist, du aber um 16 Uhr beginnen wolltest, verschieb deinen Workshop um eine Stunde. Schöne und bezahlbare Räume für Kreativ-Workshops sind leider (noch) rar gesät. Ich hoffe sehr, dass sich das durch Coworking Spaces oder offene Werkstätten in den nächsten Jahren ändert.

Räume

Wenn es vor Ort keine Projekt- oder Kreativ-Räume gibt, die man stundenweise mieten kann, kannst du im Freizeitheim, im Jugendzentrum oder im Bürgerhaus nachfragen. Auch Kirchengemeinden und Vereine vermieten manchmal passende Räume. Gibt es in deiner Nähe einen Schreibwaren-, einen Bastel- oder einen Wollladen? Einige haben Nebenräume, in denen sie selbst Kurse anbieten. Frag nach, ob du den Raum für einen Lettering-Workshop mieten kannst oder ob sie einen Tipp für dich haben. Meine ersten Lettering-Workshops habe ich übrigens in der Werkstatt einer Textilgalerie gegeben, dort, wo sonst Siebdruck-Kurse stattfinden und genäht wird. Eine sehr inspirierende Umgebung! Noch ein Wort zu den Raumkosten: Die unterscheiden sich stark und richten sich wie so vieles nach Lage und Ausstattung, Angebot und Nachfrage. In München wirst du vermutlich mehr bezahlen für einen Raum als in Meppen, in Hamburg mehr als in Heidesheim. Andererseits wirst du wahrscheinlich in München und Hamburg für einen Lettering-Workshop auch mehr Geld nehmen können als in Meppen und Heidesheim.

Lettering-Bücher, Brushpen, Lettering-Guide und Blumen auf einem Tisch in einem Workshop-Raum. Foto: Janne Klöpper

Gruppengröße, Dauer, Termin und Ort stehen fest? Dann kannst du dich auf die inhaltliche Planung konzentrieren: Wieviel Theorie, wieviel Praxis? Wie viele Stifte und welche Übungsblätter? Bücher und Testmaterial – ja oder nein? Darum geht es im nächsten Beitrag am kommenden Freitag.

Lettering-Workshops geben. Teil 1: Ziele und Zielgruppen

Ein paar Worte vorab

Es gibt verschiedene Wege, die Kunst der schön gestalteten Buchstaben zu lernen: Bücher und Übungshefte, Videos und Workshops. Ich lerne am liebsten gemeinsam mit anderen, die auf einem ähnlichen Level sind wie ich. Und ich gebe mein Wissen und Können gerne weiter. Deshalb verdiene ich zumindest einen Teil meines Geldes damit, Workshops zu geben, etwa zu den Themen Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit. Seit Mitte 2017 gebe ich auch Schnupper-Workshops zum Brush Lettering. Beim Lettercamp in Bremen, das Anfang Februar 2019 war, habe ich in einer Session berichtet, wie ich solche Workshops plane, organisiere und durchführe. Das große Interesse an diesem Thema und die Fragen der Teilnehmerinnen haben mich bewogen, nun auch hier im Blog meine Erfahrungen weiterzugeben. Weil ich dich ermutigen möchte, selbst Workshops zu geben und andere mit dem Lettering-Virus zu infizieren!

Schriftbild Lettering-Workshops geben und zwei gezeichnete Stifte. Zeichnung und Foto: Janne Klöpper

In den nächsten Wochen wirst du hier etwas lesen zu diesen Fragen:

  • Wem möchte ich was vermitteln?
  • Wo und wann soll der Workshop stattfinden? Und wie lange soll er dauern?
  • Welche Stifte, Vorlagen und Übungsblätter brauche ich? Wie viele Bücher zum Anschauen und Stifte zum Testen nehme ich mit?
  • Wie sollte das Verhältnis von Theorie und Praxis sein? Welchen roten Faden hat mein Workshop überhaupt?
  • Wie lege ich fest, was der Workshop kostet? Wie organisiere ich die Anmeldung und was ist mit dem Datenschutz?
  • Wie mache ich auf den Workshop aufmerksam?
  • Und schließlich: Was muss ich am Workshoptag selbst beachten?

Ein Thema werde ich allerdings nicht aufgreifen: die Kooperation mit Herstellern von Stiften und Papier oder mit Verlagen. Damit habe ich keine Erfahrung und ich mag mich auch nicht damit beschäftigen. Wenn eine von euch dazu einen Gastbeitrag schreiben möchte – herzlich gerne! Dann melde dich bitte bei mir. Ich lehne Firmen-Kooperationen nicht grundsätzlich ab. Aber mein Ding sind sie nicht.

Eine weitere Einschränkung ebenfalls gleich an dieser Stelle: Meine Lettering-Workshops sind für mich ein Teil meines Hobbys. Ich konzentriere mich deshalb auch auf diesen Bereich und schreibe hier für Menschen, die ebenfalls Lettering-Workshops nebenher, also neben ihrer eigentlichen beruflichen Tätigkeit geben möchten. Etwas anderes ist es, wenn du dir mit den Workshops ein (weiteres) berufliches Standbein aufbauen möchtest. Dann stellen sich die gleichen Fragen, aber bei den Antworten wirst du noch andere Kriterien einfließen lassen müssen, insbesondere bei der Preisgestaltung. Auf diese Kriterien gehe ich eher am Rande ein.

Eines möchte ich dir ganz grundsätzlich ans Herz legen: Sei klar! Sei klar in dem, was du mit wem wann und wo machen möchtest, sei klar in der Verhandlung um Räume, sei klar in der Ankündigung und sei klar beim Workshop selbst. Das erleichtert dir und deinen Teilnehmerinnen das Leben, weil es dann weniger Missverständnisse und Irritationen gibt und Zeit bleibt für die wirklich wichtigen Dinge – zum Beispiel fürs Lettern.

In der Session beim Lettercamp hat übrigens Sandra Martin mitgezeichnet, und ihre wunderbare Sketchnote enthält (fast) alles, worüber ich hier in den nächsten Wochen schreiben werde:

Letterings-Workshops planen. Sketchnote: Sandra Martin @sam_hh

Sketchnote: Sandra Martin @sam_hh

Ziel und Zielgruppe

Jede Workshop-Planung beginnt mit zwei Fragen:

  • Was möchte ich vermitteln, was ist also mein Ziel?
  • Und wem möchte ich das vermitteln, wer ist also meine Zielgruppe?

Es ist ein großer Unterschied, ob du mit Kindern Buchstaben zeichnen, mit Jugendlichen ein Bullet Journal erstellen oder mit Erwachsenen die Brush-Lettering-Welt erkunden möchtest. Erst wenn du Ziel und Zielgruppe für dich klar hast, kannst du dir überlegen, wann und wo du den Workshop machen möchtest, welches Material du brauchst und wie lange er dauern sollte. Aber wie findest du heraus, was dein Ziel und welches deine Zielgruppe ist? Dazu würde ich dir zwei Fragen stellen:

Wie bist du auf die Idee gekommen, Lettering-Workshops anzubieten?

Vielleicht bist du Versicherungskauffrau und hast vor einigen Jahren angefangen zu lettern. Du verschickst gerne selbstgemachte Karten zu Geburtstagen und Jubliäen. Immer wieder fragen dich Freundinnen und Kolleginnen, ob du ihnen mal zeigen kannst, wie Lettern eigentlich geht. Oder du bist Kommunikationsdesignerin und gestaltest seit Jahren Werbeplakate, Zeitschriftenartikel und Buchumschläge mit deinen Letterings. Du hast bereits ein Fachbuch über Lettering geschrieben. Jetzt möchtest du für andere Designerinnen eine Fortbildung zum Gestalten mit Buchstaben anbieten. Vielleicht arbeitest du auch als Sozialpädagogin in einem Familienzentrum, letterst zum Vergnügen und möchtest das Kursangebot nun um einen Lettering-Workshop erweitern. Du siehst: Jede bringt andere Voraussetzungen mit und möchte etwas anderes erreichen.

Wem möchtest DU was vermitteln?

Vermittele am besten das, was du gut kannst und was dir Spaß macht. Vermittele es am besten Menschen, mit denen du gern zusammen bist und die Interesse an dem haben, was du tust. Schließlich soll der Workshop auch für dich ein Gewinn sein, nicht nur finanziell.

Ich habe mich zum Beispiel entschieden, dreistündige Schnupper-Workshops im Brush Lettering für Erwachsene zu geben. Die Gründe hierfür sind ganz einfach:

  • Ich habe keine Erfahrung damit, Kindern und Jugendlichen etwas zu vermitteln. Ich weiß nicht, was sie interessiert, wie sie ticken, wie sie lernen und wie ich sie bei der Stange halte. Ich arbeite auch beruflich am liebsten mit Erwachsenen. Deshalb sind sie meine Zielgruppe.
  • Workshops, die ein, zwei oder drei Tage dauern, erfordern enorm viel Vorbereitung und Standfestigkeit. Das weiß ich, weil ich solche Workshops beruflich gebe. Buchstaben zeichnen ist mein Hobby, und wenn ich Lettering-Kurse gebe, möchte ich das mit Lust und Laune machen, ohne Druck. Deshalb ist ein dreistündiger Workshop ideal für mich: Es ist – einschließlich Fahrtzeit, Vor- und Nachbereitung – ein überschaubarer Zeitraum.

Drei Stunden sind allerdings schnell vorbei. Kurze Namensrunde, Pinselstifte, Lettering-Alphabet und ein paar Bücher vorstellen, erste Strichübungen, die ersten Buchstaben, kurze Pause und Bücher angucken, die ersten Wörter – zack, sind drei Stunden rum. Niemand geht aus meinem Workshop als Lettering-Profi. Aber alle haben eine Vorstellung davon bekommen, was Brush Lettering ist, haben Pinselstifte ausprobiert, Wörter geschrieben und wissen nun grob, wie es geht. Und sie haben erfahren, dass die Buchstaben nach zwei Stunden Üben schon viel, viel besser geworden sind. Genau das ist mein Ziel: ans Lettering heranführen und Lust aufs Üben machen. Deshalb nenne ich das, was ich anbiete, Schnupper-Workshop.

Wenn du weißt, wer deine Zielgruppe ist und was du ihnen vermitteln möchtest, kannst du weiter planen: Wann und wo soll der Workshop stattfinden? Darüber schreibe ich in etwas im folgenden Beitrag, der nächsten Freitag kommt.

Jetzt wird’s bunt

Wie man in maximal fünf Schritten mit dem Pinselstift einfache Aquarelle erstellen kann, zeigt die Autorin Verena Kaltenecker in ihrem Buch „50x Brush Pen – Flamingo, Kaktus & Co.“. Die präzisen Anleitungen machen es leicht, (wieder) in die Aquarellmalerei einzusteigen. Auch das verwendete Material trägt dazu bei: Durch den Brushpen, der mit flüssiger Aquarellfarbe gefüllt ist und eine synthetische Pinselspitze hat, fließt die Farbe gleichmäßig aufs Papier. So aufgetragene Linien und Farbflächen können anschließend mit einem nassen Haarpinsel vermalt werden.

Eis am Stiel

Verena Kaltenecker nutzt die Möglichkeiten des Brushpen in ihren ausgewählten Beispielen gut aus. Mit wenigen Strichen entstehen so farbenfrohe Aquarelle: Anemonen und Zitronen, Flamingos und Quallen, Bananenblätter und Sukkulenten oder Cake Pops und Zuckerstangen, um nur einige zu nennen. Oder eben ein Eis am Stiel:

Eis am Stiel, Aquarell mit Brush Pen. Zeichnung und Foto: Janne Klöpper

Ich hatte das Glück, beim Lettercamp in Bremen Anfang Februar an einer gut halbstündigen Session mit Verena teilnehmen zu können. Dort sind die obigen Aquarelle entstanden.

Material, Tipps und Tricks

Zurück zum Buch: Besonders gut gefallen hat mir, dass die Autorin zu Beginn kurz und knackig auf das Material eingeht, das man für den Einstieg in die Aquarellmalerei mit dem Pinselstift braucht. Sie erläutert, wie ein Brushpen verwendet wird, welches seine Besonderheiten sind und welchen Unterschied es zu den klassischen Aquarellfarben gibt. Zudem legt sie dar, welches Papier und welche Haarpinsel sie benutzt. Verena Kaltenecker beschreibt genau, wie sie bei ihren Bildern vorgeht und verrät ihre Tipps und Tricks. Enorm hilfreich ist auch das kurze Kapitel, das mit „Erste Hilfe“ überschrieben ist: Hier zeigt sie, wie man bei kleinen Patzern schnell richtig eingreift und die Zeichnung rettet.

Insgesamt ein wunderbares Buch, das große Lust auf kleine Aquarelle macht.

Verena Kaltenecker: 50x Brush Pen. Flamingo, Kaktus & Co. Titelbild. Foto: EMF Verlag

Die beliebtesten Brush-Pen-Motive in max. 5 Schritten malen

Foto: EMF Verlag

Fakten zum Buch:

Verena Kaltenecker: 50x Brush Pen. Flamingo, Kaktus & Co.
Taschenbuch, 112 Seiten
EUR 14,99
EMF Verlag 2018
ISBN: 978-3-96093-157-7

Link zum Buch