Lettering-Workshops geben. Teil 1: Ziele und Zielgruppen

Ein paar Worte vorab

Es gibt verschiedene Wege, die Kunst der schön gestalteten Buchstaben zu lernen: Bücher und Übungshefte, Videos und Workshops. Ich lerne am liebsten gemeinsam mit anderen, die auf einem ähnlichen Level sind wie ich. Und ich gebe mein Wissen und Können gerne weiter. Deshalb verdiene ich zumindest einen Teil meines Geldes damit, Workshops zu geben, etwa zu den Themen Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit. Seit Mitte 2017 gebe ich auch Schnupper-Workshops zum Brush Lettering. Beim Lettercamp in Bremen, das Anfang Februar 2019 war, habe ich in einer Session berichtet, wie ich solche Workshops plane, organisiere und durchführe. Das große Interesse an diesem Thema und die Fragen der Teilnehmerinnen haben mich bewogen, nun auch hier im Blog meine Erfahrungen weiterzugeben. Weil ich dich ermutigen möchte, selbst Workshops zu geben und andere mit dem Lettering-Virus zu infizieren!

Schriftbild Lettering-Workshops geben und zwei gezeichnete Stifte. Zeichnung und Foto: Janne Klöpper

In den nächsten Wochen wirst du hier etwas lesen zu diesen Fragen:

  • Wem möchte ich was vermitteln?
  • Wo und wann soll der Workshop stattfinden? Und wie lange soll er dauern?
  • Welche Stifte, Vorlagen und Übungsblätter brauche ich? Wie viele Bücher zum Anschauen und Stifte zum Testen nehme ich mit?
  • Wie sollte das Verhältnis von Theorie und Praxis sein? Welchen roten Faden hat mein Workshop überhaupt?
  • Wie lege ich fest, was der Workshop kostet? Wie organisiere ich die Anmeldung und was ist mit dem Datenschutz?
  • Wie mache ich auf den Workshop aufmerksam?
  • Und schließlich: Was muss ich am Workshoptag selbst beachten?

Ein Thema werde ich allerdings nicht aufgreifen: die Kooperation mit Herstellern von Stiften und Papier oder mit Verlagen. Damit habe ich keine Erfahrung und ich mag mich auch nicht damit beschäftigen. Wenn eine von euch dazu einen Gastbeitrag schreiben möchte – herzlich gerne! Dann melde dich bitte bei mir. Ich lehne Firmen-Kooperationen nicht grundsätzlich ab. Aber mein Ding sind sie nicht.

Eine weitere Einschränkung ebenfalls gleich an dieser Stelle: Meine Lettering-Workshops sind für mich ein Teil meines Hobbys. Ich konzentriere mich deshalb auch auf diesen Bereich und schreibe hier für Menschen, die ebenfalls Lettering-Workshops nebenher, also neben ihrer eigentlichen beruflichen Tätigkeit geben möchten. Etwas anderes ist es, wenn du dir mit den Workshops ein (weiteres) berufliches Standbein aufbauen möchtest. Dann stellen sich die gleichen Fragen, aber bei den Antworten wirst du noch andere Kriterien einfließen lassen müssen, insbesondere bei der Preisgestaltung. Auf diese Kriterien gehe ich eher am Rande ein.

Eines möchte ich dir ganz grundsätzlich ans Herz legen: Sei klar! Sei klar in dem, was du mit wem wann und wo machen möchtest, sei klar in der Verhandlung um Räume, sei klar in der Ankündigung und sei klar beim Workshop selbst. Das erleichtert dir und deinen Teilnehmerinnen das Leben, weil es dann weniger Missverständnisse und Irritationen gibt und Zeit bleibt für die wirklich wichtigen Dinge – zum Beispiel fürs Lettern.

In der Session beim Lettercamp hat übrigens Sandra Martin mitgezeichnet, und ihre wunderbare Sketchnote enthält (fast) alles, worüber ich hier in den nächsten Wochen schreiben werde:

Letterings-Workshops planen. Sketchnote: Sandra Martin @sam_hh

Sketchnote: Sandra Martin @sam_hh

Ziel und Zielgruppe

Jede Workshop-Planung beginnt mit zwei Fragen:

  • Was möchte ich vermitteln, was ist also mein Ziel?
  • Und wem möchte ich das vermitteln, wer ist also meine Zielgruppe?

Es ist ein großer Unterschied, ob du mit Kindern Buchstaben zeichnen, mit Jugendlichen ein Bullet Journal erstellen oder mit Erwachsenen die Brush-Lettering-Welt erkunden möchtest. Erst wenn du Ziel und Zielgruppe für dich klar hast, kannst du dir überlegen, wann und wo du den Workshop machen möchtest, welches Material du brauchst und wie lange er dauern sollte. Aber wie findest du heraus, was dein Ziel und welches deine Zielgruppe ist? Dazu würde ich dir zwei Fragen stellen:

Wie bist du auf die Idee gekommen, Lettering-Workshops anzubieten?

Vielleicht bist du Versicherungskauffrau und hast vor einigen Jahren angefangen zu lettern. Du verschickst gerne selbstgemachte Karten zu Geburtstagen und Jubliäen. Immer wieder fragen dich Freundinnen und Kolleginnen, ob du ihnen mal zeigen kannst, wie Lettern eigentlich geht. Oder du bist Kommunikationsdesignerin und gestaltest seit Jahren Werbeplakate, Zeitschriftenartikel und Buchumschläge mit deinen Letterings. Du hast bereits ein Fachbuch über Lettering geschrieben. Jetzt möchtest du für andere Designerinnen eine Fortbildung zum Gestalten mit Buchstaben anbieten. Vielleicht arbeitest du auch als Sozialpädagogin in einem Familienzentrum, letterst zum Vergnügen und möchtest das Kursangebot nun um einen Lettering-Workshop erweitern. Du siehst: Jede bringt andere Voraussetzungen mit und möchte etwas anderes erreichen.

Wem möchtest DU was vermitteln?

Vermittele am besten das, was du gut kannst und was dir Spaß macht. Vermittele es am besten Menschen, mit denen du gern zusammen bist und die Interesse an dem haben, was du tust. Schließlich soll der Workshop auch für dich ein Gewinn sein, nicht nur finanziell.

Ich habe mich zum Beispiel entschieden, dreistündige Schnupper-Workshops im Brush Lettering für Erwachsene zu geben. Die Gründe hierfür sind ganz einfach:

  • Ich habe keine Erfahrung damit, Kindern und Jugendlichen etwas zu vermitteln. Ich weiß nicht, was sie interessiert, wie sie ticken, wie sie lernen und wie ich sie bei der Stange halte. Ich arbeite auch beruflich am liebsten mit Erwachsenen. Deshalb sind sie meine Zielgruppe.
  • Workshops, die ein, zwei oder drei Tage dauern, erfordern enorm viel Vorbereitung und Standfestigkeit. Das weiß ich, weil ich solche Workshops beruflich gebe. Buchstaben zeichnen ist mein Hobby, und wenn ich Lettering-Kurse gebe, möchte ich das mit Lust und Laune machen, ohne Druck. Deshalb ist ein dreistündiger Workshop ideal für mich: Es ist – einschließlich Fahrtzeit, Vor- und Nachbereitung – ein überschaubarer Zeitraum.

Drei Stunden sind allerdings schnell vorbei. Kurze Namensrunde, Pinselstifte, Lettering-Alphabet und ein paar Bücher vorstellen, erste Strichübungen, die ersten Buchstaben, kurze Pause und Bücher angucken, die ersten Wörter – zack, sind drei Stunden rum. Niemand geht aus meinem Workshop als Lettering-Profi. Aber alle haben eine Vorstellung davon bekommen, was Brush Lettering ist, haben Pinselstifte ausprobiert, Wörter geschrieben und wissen nun grob, wie es geht. Und sie haben erfahren, dass die Buchstaben nach zwei Stunden Üben schon viel, viel besser geworden sind. Genau das ist mein Ziel: ans Lettering heranführen und Lust aufs Üben machen. Deshalb nenne ich das, was ich anbiete, Schnupper-Workshop.

Wenn du weißt, wer deine Zielgruppe ist und was du ihnen vermitteln möchtest, kannst du weiter planen: Wann und wo soll der Workshop stattfinden? Darüber schreibe ich in etwas im folgenden Beitrag, der nächsten Freitag kommt.