Jetzt wird’s bunt

Wie man in maximal fünf Schritten mit dem Pinselstift einfache Aquarelle erstellen kann, zeigt die Autorin Verena Kaltenecker in ihrem Buch „50x Brush Pen – Flamingo, Kaktus & Co.“. Die präzisen Anleitungen machen es leicht, (wieder) in die Aquarellmalerei einzusteigen. Auch das verwendete Material trägt dazu bei: Durch den Brushpen, der mit flüssiger Aquarellfarbe gefüllt ist und eine synthetische Pinselspitze hat, fließt die Farbe gleichmäßig aufs Papier. So aufgetragene Linien und Farbflächen können anschließend mit einem nassen Haarpinsel vermalt werden.

Eis am Stiel

Verena Kaltenecker nutzt die Möglichkeiten des Brushpen in ihren ausgewählten Beispielen gut aus. Mit wenigen Strichen entstehen so farbenfrohe Aquarelle: Anemonen und Zitronen, Flamingos und Quallen, Bananenblätter und Sukkulenten oder Cake Pops und Zuckerstangen, um nur einige zu nennen. Oder eben ein Eis am Stiel:

Eis am Stiel, Aquarell mit Brush Pen. Zeichnung und Foto: Janne Klöpper

Ich hatte das Glück, beim Lettercamp in Bremen Anfang Februar an einer gut halbstündigen Session mit Verena teilnehmen zu können. Dort sind die obigen Aquarelle entstanden.

Material, Tipps und Tricks

Zurück zum Buch: Besonders gut gefallen hat mir, dass die Autorin zu Beginn kurz und knackig auf das Material eingeht, das man für den Einstieg in die Aquarellmalerei mit dem Pinselstift braucht. Sie erläutert, wie ein Brushpen verwendet wird, welches seine Besonderheiten sind und welchen Unterschied es zu den klassischen Aquarellfarben gibt. Zudem legt sie dar, welches Papier und welche Haarpinsel sie benutzt. Verena Kaltenecker beschreibt genau, wie sie bei ihren Bildern vorgeht und verrät ihre Tipps und Tricks. Enorm hilfreich ist auch das kurze Kapitel, das mit „Erste Hilfe“ überschrieben ist: Hier zeigt sie, wie man bei kleinen Patzern schnell richtig eingreift und die Zeichnung rettet.

Insgesamt ein wunderbares Buch, das große Lust auf kleine Aquarelle macht.

Verena Kaltenecker: 50x Brush Pen. Flamingo, Kaktus & Co. Titelbild. Foto: EMF Verlag

Die beliebtesten Brush-Pen-Motive in max. 5 Schritten malen

Foto: EMF Verlag

Fakten zum Buch:

Verena Kaltenecker: 50x Brush Pen. Flamingo, Kaktus & Co.
Taschenbuch, 112 Seiten
EUR 14,99
EMF Verlag 2018
ISBN: 978-3-96093-157-7

Link zum Buch

Buntes Blech

Stifte habe ich schon immer gemocht. Wachsmalkreide und Buntstifte, Filzschreiber und Bleistifte, Füller und Tintenroller gehören einfach zu meinem Leben dazu. Genauso wie die verschiedenen Behältnisse, in denen ich Stifte aufbewahre. In diesen beiden Blechschachteln liegen noch Reste der Wachsmalstifte aus meiner Schulzeit. Ich kann mich einfach nicht davon trennen.

Zwei alte Blechschachteln für Wachsmalstifte von Staedler und Pelikan. Foto: Janne Klöpper

Buntes Blech für Stifte mag ich bis heute: Als ich vor gut zwei Jahren mit dem Lettering angefangen habe und damit viele neue Stifte auf meinem Schreibtisch Platz finden sollten, habe ich gezielt nach schönen Konservendosen gesucht – solchen mit Aufdruck. Darin stehen nun die Brushpen, die sowohl eine Pinselspitze als auch eine Filzspitze haben.

Konservendosen und Keksdose als Aufbewahrung für Stifte. Foto: Janne Klöpper

Die Brushpen, die nur eine Pinselspitze haben, bewahre ich lieber liegend auf. Dafür eignen sich Keksdosen besonders gut. Diese blaue Dose riecht übrigens immer noch ein bisschen nach Lebkuchen.

Brush Lettering: Drei goldene Regeln für Stifte und Papier

Es gibt mittlerweile mehr als ein Dutzend unterschiedliche Pinselstifte für Brush Lettering: dicke und dünne, günstige und teure, Markenprodukte und No-name-Artikel. Ebenso werben verschiedene Hersteller mit speziellem Lettering-Papier. In den letzten zwei Jahren habe ich fast alle Brush Pen ausprobiert und auf verschiedenen Papieren gelettert. Mit manchen Stiften bin ich besser zurecht gekommen, mit manchen schlechter, und auch das eine Papier fand ich angenehmer als das andere. Da die Vorlieben für Material jedoch sehr individuell sind, gebe ich in meinen Workshops keine konkreten Empfehlungen zu den verschiedenen Produkten. Stattdessen vermittele ich meine drei goldenen Regeln zu Papier und Stiften.

Erste Regel: Die Größe der Pinselspitze bestimmt die Größe des Letterings

Je feiner die Pinselspitze ist, desto kleiner können die gezeichneten Buchstaben sein. Umgekehrt gilt dasselbe: Für ein großes Lettering brauchst du einen Stift mit einer dicken Pinselspitze.

Das Wort lettering mit sechs Pinselstiften in unterschiedlichen Größen geschrieben. Lettering und Foto: Janne Klöpper

Das kleinste Lettering habe ich mit dem Fudenosuke mit harter Pinselspitze (WS-BH 150) von Tombow gemacht; es ist acht Millimeter hoch und 42 Millimeter breit. Danach folgen Letterings mit dem Pentel touch (10 mm/52 mm), dem PITT artist pen von Faber-Castell (15 mm/70 mm), dem Tombow ABT Dual Brush Pen (24 mm/110 mm), dem Ecoline Brush Pen von Royal Talens (33 mm/132 mm) sowie dem Art Marker von neuland (47 mm/168 mm). Mit einem solchen Testblatt kannst du am besten den passenden Stift für dein Lettering auswählen.

Zweite Regel: Papier und Stift müssen zueinander passen

Die synthetischen Pinselspitzen der Brush Pen sind empfindlich. Sie gleiten am besten über ganz glattes Papier und behalten dann ihre Form. Auf rauem Papier fransen sie schnell aus. Wie die Spitze eines Tombow ABT Dual Brush Pen aussieht, nachdem ich damit auf Aquarellpapier gelettert hatte, konnte ich beim Blick durch mein Mikroskop sehen:

Spitze eines Tombow ABT Dual Brush Pen durch ein Mikroskop betrachtet. Foto: Janne Klöpper

Gut zu erkennen ist die ausgefranste Spitze, mit der sich keine feinen Aufstriche mehr machen lassen.

Damit diese feinen Aufstriche auch fein werden und gut aussehen und die Pinselspitzen lange ihre Form behalten, müssen Papier und Stifte zusammenpassen. Für synthetische Pinselspitzen eignen sich glatte Papiere, etwa von Rhodia, Clairefontaine oder Hahnemühle, besonders gut.

Vier Pinselstifte auf einem Block von Rhodia. Foto: Janne Klöpper

Wie glatt ein Papier tatsächlich ist, kannst du fühlen, wenn du ganz leicht darüber streichst. Kaufe niemals Papier für Letterings, ohne es gespürt zu haben! In guten Papierwarenhandlungen kannst du das Papier immer anfassen und häufig sogar darauf zur Probe etwas schreiben.

Aquarellpapier ist immer mehr oder weniger rau. Wenn du eine Aquarellmalerei mit einem Lettering kombinieren möchtest, solltest du deine Brush Pen schonen und die Buchstaben mit einem Pinsel zeichnen. Mit ein bisschen Übung geht das ganz gut.

Lettering mit flüssiger Wasserfarbe auf Aquarellpapier. Lettering und Foto: Janne Klöpper

Aquarellpinsel sind weicher als die synthetischen Pinselspitzen der Brush Pen, deshalb werden die Letterings nicht so präzise. Aber sie haben dadurch auch ihren eigenen Charme.

Dritte Regel: Letterings als Wandschmuck brauchen lichtbeständige Tusche

Wenn du ein Lettering aufhängen möchtest, verwende dafür Stifte mit lichtbeständiger Tusche. Bei den PITT artist pen von Faber-Castell kannst du an den Sternen erkennen, welche Farben lichtbeständig sind:

Drei grüne Pinselstifte von Faber-Castell mit Tusche in unterschiedlicher Lichtbeständigkeit. Foto: Janne Klöpper

Ein Stern bedeutet „bedingte Lichtbeständigkeit“, drei Sterne stehen für „höchste Lichtbeständigkeit“. Das Beispiel zeigt, dass die Lichtbeständigkeit für jeden einzelnen Farbton unterschiedlich sein kann.

Die meisten Hersteller machen auf ihren Websites Angaben zur Lichtbeständigkeit der verwendeten Tusche. So schreibt Tombow etwa in den Produktangaben für den ABT Dual Brush Pen ganz generell: „Lichtechtheit wird nicht garantiert.“ Auch viele Wasserfarben bleichen mit der Zeit aus und verlieren ihre Leuchtkraft.

Wenn du also viel Zeit und Liebe in ein Lettering investierst, das als Wandschmuck lange Freude machen soll, dann spare nicht beim Material.

Lettering "weil du toll bist" und verschiedene farbige Pinselstifte. Lettering und Foto: Janne Klöpper

Gute und lichtbeständige Pinselstifte kosten pro Stück zwischen 2,80 Euro (PITT artist pen) und 3,60 Euro (Winsor & Newton).