Sketchnotes, Visual Facilitation und Graphic Recording

Visualisierung ist Visualisierung, egal für welchen Zweck. Das denken viele Menschen, auch manche von meinen Auftraggebern. Und dann fragen sie mich, ob ich bei einer Tagung für sie eine „große Sketchnote oder sowas ähnliches“ machen kann, weil ich auf meinen Flipcharts doch immer etwas zeichne. Da ich in meinen diversen Workshops zum Thema Visualisierung oder in Gesprächen mit Auftraggebern und anderen Interessierten häufig den Unterschied zwischen Sketchnotes, Visual Facilitation und Graphic Recording erkläre, möchte ich das an dieser Stelle auch mal machen.

Sketchnotes

sind visuelle Notizen von Vorträgen oder bei Seminaren, die ich nur für mich selbst erstelle. Anstatt wie früher im Studium linear Stichworte mitzuschreiben, nutze ich heute verschiedene Stilmittel, um den Inhalt festzuhalten: zum Beispiel unterschiedliche Schrifttypen, Bildvokabeln oder strukturierende Symbole wie Pfeile und Linien. Meine Sketchnotes bekommt in der Regel niemand außer mir zu sehen. Ich wähle aus, was ich festhalten möchte und was nicht. Die folgende Sketchnote habe ich vor zwei Jahren bei einem Seminar über Food-Fotografie angefertigt. Sie zeigt von den Inhalten lediglich das, was mir wichtig war:

Sketchnote von einem Workshop über Foodfotografie. Zeichnung und Foto: Janne Klöpper

Sketchnote von einem Workshop über Foodfotografie. Zeichnung und Foto: Janne Klöpper

Sketchnote von einem Workshop über Foodfotografie. Zeichnung und Foto: Janne Klöpper

Sketchnotes kann jeder erstellen, der zuhören, schreiben und strukturieren kann. Von den vielen guten Büchern, die es mittlerweile hierzu gibt, möchte ich nur auf zwei hinweisen: Das Sketchnote Handbuch von Mike Rohde, das 2013 erschienen ist, und das Buch Sketchnote Starthilfe von Tanja Wehr aus dem Jahr 2017.

Visual Facilitation

bedeutet nichts anderes, als grafische Darstellungen bei Moderationen zu nutzen. Facilitator ist der englische Begriff für Moderator. Beruflich begleite ich verschiedene Veränderungsprozesse und moderiere unter anderem Besprechungen, Workshops und Netzwerktreffen. Dabei dokumentiere ich während der Moderation den Prozess, die Inhalte und die Ergebnisse auf einem Flipchart. Grafische Elemente setze ich gezielt ein, um Zusammenhänge zu verdeutlichen oder um etwas zu illustrieren, immer kombiniert mit Text. Diese Visualisierungen bekommen alle zu sehen, die anwesend sind oder später das Fotoprotokoll bekommen – also ein sehr begrenzter und klar definierter Kreis von Prozessbeteiligten. Die folgenden Beispiele sind Ausschnitte aus Flipcharts, die in meinem beruflichen Kontext entstanden sind:

Zeichnung von zwei Kindern, in Sprechblasen die Begriffe Mitsprechen, Mitbestimmen, Miteinander. Zeichnung und Foto: Janne Klöpper

Ausschnitt aus einer Mitschrift am Flipchart. Foto: Janne Klöpper

Beauftragt und bezahlt werde ich dabei für die Prozessbegleitung und Moderation, nicht für das Zeichnen als solches. Grafische Elemente sind nach meiner Erfahrung enorm hilfreich einen Prozess, sie sind aber kein zwingend notwendiges Mittel, das immer und überall angewendet werden muss. Ein besonderes Zeichentalent ist übrigens nicht notwendig, um Bildvokabeln und Struktursymbole in der Moderation einzusetzen. Wie bei den Sketchnotes geht es um die Darstellung von Ideen, nicht um Kunst. Wer als Prozessmoderator oder -moderatorin Visualisierungen einsetzen möchte, dem kann ich das Buch Der Flipchart-Coach von Axel Rachow und Johannes Sauer, das 2015 erschienen ist, sowie die bibaklo-Bücher von der bikablo® akademie GmbH & Co. KG und Martin Haussmann empfehlen.

Graphic Recording

ist die visuelle Dokumentation einer Veranstaltung, etwa einer Tagung, eines Symposiums oder eines Kongresses. Reden, Vorträge und Diskussionen werden großflächig live von einem oder mehreren Graphic Recordern festgehalten. Dabei hat dieser neben dem Zeichnen keine weitere Aufgabe. Häufig sind es professionelle Illustratorinnen und Illustratoren, die diese teilweise riesigen Bildwände erstellen. Graphic Recorder sind Dolmetscher: Sie übersetzen gesprochene Sprache unmittelbar in Bildsprache. Das erfordert Schnelligkeit, Routine und ein Höchstmaß an Konzentration. Die entstandenden großformatigen Zeichnungen bekommen nicht nur die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung zu sehen. Häufig werden sie später in den Räumen des Veranstalters ausgestellt, in der Tagungsdokumentation oder im Geschäftsbericht abgedruckt und im Internet veröffentlicht. Da ich selbst kein Graphic Recording mache, kann ich hier auch nichts zeigen. Aber ich kann euch diese drei Bücher zum Thema empfehlen: das Buch Graphic Recording aus dem Gestalten-Verlag, das Robert Klanten, Anna Lena Schiller und Sven Ehmann 2016 herausgegeben haben, Sketchnotes & Graphic Recording von Anja Weiss, ebenfalls aus dem Jahr 2016 sowie Der Wegweiser für den Graphic Facilitator von Brandy Agerbeck, das Guido Neuland 2013 ins Deutsche übersetzt hat.

Drei Bücher zum Thema Graphic Recording. Foto: Janne Klöpper

Warum ich kein Graphic Recording mache, hat einen ganz einfachen Grund: Ich kann nicht live und über Stunden gesprochene Sprache in Bildfolgen übersetzen, die alles enthalten, was für Veranstalter und Publikum wesentlich ist. Außerdem fehlen mir für das dokumentarische Zeichnen in Echtzeit Routine und Schnelligkeit. Dafür ich bin eine gute Moderatorin und Prozessbegleiterin, weil ich strukturieren und analysieren kann, Zusammenhänge sehe und gemeinsame Kerne entdecke, Gesagtes auf den Punkt bringe und Zeitvorgaben einhalte. Und das, was besser in Bildern festhalten werden kann, zeichne ich auch.

Woche 41: Herbstblätter

Wenn ich Flipcharts für Seminare vorbereite, verwende ich gerne Skizzen und andere grafische Elemente als Farbtupfen. Die Bäume vor meinem Bürofenster, die sich allmählich bunt färben, haben mich zu diesen Zeichnungen inspiriert. Auf dem Willkommens-Chart prangt ein Ahornblatt:

Blatt mit Herbstfärbung als grafisches Element auf einem Flipchart. Zeichnung und Foto: Janne Klöpper

Und den Ablauf gliedern Lindenblätter:

Blatt mit Herbstfärbung als grafisches Element auf einem Flipchart. Zeichnung und Foto: Janne Klöpper

Wie bei allen meinen Flipcharts schreibe und zeichne ich mit den Markern und Stiften von Neuland. Ungewöhnlich an diesen Flipcharts ist allerdings die blaue Schreibschrift. War ein Versuch, der den Teilnehmerinnen gefallen hat. Schwarze Druckschrift bzw. die sogenannte Moderationsschrift gefällt mir allerdings besser und ist zudem besser lesbar. Aber: Versuch macht kluch 🙂

Woche 26: Figuren zeichnen (1)

Ich gebe zu, dass ich nicht gerne Figuren zeichne. Dabei brauche ich sie immer wieder, wenn ich in Workshops etwas verdeutlichen will. Oder wenn ich Netzwerktreffen am Flipchart dokumentiere. Deshalb ist es gut, auch hier ein Repertoire zu haben. Von Miike Keppler habe ich gelernt, dass Figuren am besten zuammen mit einem Gegenstand funktionieren.

Gezeichnete Flipchart-Figuren in verschiedenen Situationen. Zeichnung und Foto: Janne Klöpper

Diese Skizzen sind in dem Kurs „Visual Facilitation“ entstanden, den ich vor einigen Wochen bei Miike gemacht habe. Gezeichnet habe ich mit dem Outliner und den Big Ones von Neuland. Für den Hintergrund habe ich Wachsmalkreide von Stockmar verwendet.

Woche 22: 30 Bildvokabeln in 30 Tagen

Mehr als 100 Frauen aus meinem Netzwerk, dem Texttreff, kommen einmal im Jahr zum einem Workshop-Wochenende zusammen. Dort teilen wir unser Wissen miteinander. In diesem Jahr haben wir in meinem Workshop „Flipcharts gestalten“ auch einfache Bildvokabeln für Flipcharts oder Sketchnotes geübt. Dabei hatten meine Kollegin Kati und ich die Idee, im Anschluss an den Workshop für die Textinen, wie wir uns selbst nennen, eine erste Sketchnote-Challenge auszurufen. Gesagt, getan. Und so sieht mein Textinen-Sketchnote-Vokabular No. 1 bis 30 aus:

30 gezeichnete Bildvokabeln für Sketchnotes, zum Beispiel Auto, Becher, Fahrrad, Kalender, Laptop, Muffin, Rolle, Stifte, Zug. Zeichnungen und Foto: Janne Klöpper

Gezeichnet habe ich mit den pigment linern von Staedler und den PITT artist pens von Faber-Castell.

Wer jetzt neugierig ist, wie wunderbar andere Textinen diese Bildvokabeln umgesetzt haben: Ihr findet sie unter dem Hashtag #ttsketchnotes bei Twitter und Instagram. Mittlerweile haben wir die zweite Runde eingeläutet. Meine Bildvokabeln No. 31 bis 60 gibt es dann Anfang Juli im Zeichenprojekt 2016. Was ich jetzt schon verrate: Es sind alles runde Dinge.

Woche 21: Symbole üben (1)

Zwei Tage lang von morgens bis abends zeichnen, einfach zum Vergnügen: Das war der Kurs „Visual Facilitation“ bei Miike Keppler. Dort habe ich mein Bildvokabular um einige Symbole erweitert.

Verschiedene gezeichnete Symbole wie Bus, Brot, Katze, König, Leuchtturm, Luftballon, Rakete, Teleskop, U-Boot. Zeichnung und Foto: Janne Klöpper

Gezeichnet habe ich mit verschiedenen Stiften von Neuland (Outliner, Big One, Art Marker) und dem Copic Wide. Der Hintergrund ist mit Wachsmalkreide von Stockmar koloriert. Die Kombination von Markern und Wachsmalfarbe war neu für mich. Ich werde sie auf jeden Fall in mein Flipchart-Repertoire aufnehmen.

Woche 17: Pausenzeichen

Zu jedem Workshop gehören Pausen. Das Erarbeitete sacken lassen, mit den anderen Teilnehmer*innen ins Gespräch kommen, Kaffee oder Tee trinken, eine Kleinigkeit essen. Und so habe ich die Pause heute in meinem Workshop „Flipcharts gestalten“ angekündigt:

Ein Becher mit grünem Tee und ein Brötchen mit Käse, Salat, Tomate und Gurke. Zeichnung und Foto: Janne Klöpper

Gezeichnet habe ich mit dem Neuland Outliner mit Rundspitze, zum Kolorieren habe ich die Wachsmalblöcke von Stockmar genommen.

 

Woche 16: Spiralen und Rollen

Diese Woche habe ich geübt, aufgerolltes Papier zu zeichnen.

Skizzen zu aufgerolltem Papier; Zeichnung und Foto: Janne Klöpper

Was so einfach aussieht, fällt mir total schwer. Natürlich kann ich von Vorlagen abzeichnen. In diesem Fall waren es die Fotos vom Vizthink Berlin Meetup #15 „Flippige Flips“. Aber um sicher und aus dem Stegreif zu skizzieren, muss ich die Form logisch nachvollziehen können. Bei Spiralen und Rollen habe ich offensichtlich einen blinden Fleck. Also üben, üben, üben, bis der Groschen fällt. Irgendwann macht es klick, und dann weiß ich, wie’s geht.

Gezeichnet habe ich diesmal wieder mit dem Staedler pigment liner 1.2 sowie dem ArtMarker von Neuland in Kaltgrau (No. 102).