Praxisbuch Brush Lettering: Ein rundum gelungenes Lehrbuch

Das „Praxisbuch Brush Lettering“ der Kommunikationsdesignerin Chris Campe ist das lang ersehnte Lehrbuch für alle, die Handlettering mit dem Brushpen systematisch lernen oder ihr Können weiterentwickeln wollen. In vier Teilen zeigt die Autorin den Prozess von den ersten Strichstärkenübungen bis hin zum fertigen Lettering.

Chris Campe, Praxisbuch Brush Lettering, Titelseite. mitp-Verlag 2018. Foto: mitp-Verlag

Foto Cover: mitp-Verlag 2018

Ideal für Anfängerinnen

Die beiden ersten Teile „Vorbereiten“ und „Anfangen“ richten sich an Anfängerinnen und Anfänger. Hier geht es um Stifte, Pinsel und Papier, die richtige Hand- und Stifthaltung sowie die Einrichtung eines Arbeitsplatzes, der Lust auf das Üben macht. Zudem erläutert die Autorin anschaulich die wesentlichen Fachbegriffe des Brush Letterings: Auf- und Abstriche, Strichstärkenkontrast oder auch die Anmutung einer Schrift. Nebenbei vermittelt sie kurz und knackig typografisches und gestalterisches Grundlagenwissen, etwa zur Anatomie der Buchstaben oder Proportionen.

Üben, üben, üben

Jedes Brush Lettering beginnt mit Aufwärmübungen, um ein Gefühl für Werkzeug, Bewegung und Rhythmik zu bekommen. Deshalb stehen diese Übungen auch am Beginn des Kapitels „Anfangen“. Hier geht es um Auf- und Abstriche mit variierendem Druck, Schlaufen und Schlangenlinien. Danach widmet sich die Autorin auf mehr als 40 Seiten ausführlich den Grundstrichen des Brush Letterings, den einzelnen Buchstaben und Ziffern sowie den Verbindungen der Buchstaben zu Wörtern.

Chris Campe, Praxisbuch Brush Lettering, Seite 71 und 72. mitp-Verlag 2018. Foto: Janne Klöpper

Schließlich verrät Chris Campe ihre Tipps und Tricks, um zu einem harmonischen Schriftbild zu kommen. Aber ohne Üben geht es nicht! Um das zu erleichtern, gibt es 42 Übungsblätter mit Grundlinienrastern, Aufwärmübungen und Buchstaben, die über die Seite des mitp-Verlags heruntergeladen werden können.

Interessant für Fortgeschrittene

Im dritten Teil des Praxisbuchs steht das „Vertiefen“ im Mittelpunkt. Spätestens hier wird das Buch auch für Fortgeschrittene richtig interessant. Die Autorin erklärt ausführlich, wie Buchstabenform und Zeichenstil variiert werden können, um die Anmutung einer Schrift zu verändern und ihr dadurch einen zum Inhalt passenden Ausdruck zu verleihen. Dabei belässt Chris Campe es auch hier nicht bei theoretischen Ausführungen, sondern zeigt anhand von Beispielen, wie Variationen im Schriftbild tatsächlich aussehen.

Chris Campe, Praxisbuch Brush Lettering, Seite 112 und 113. mitp-Verlag 2018. Foto: Janne Klöpper

Dieses Kapitel enthält auch eine Reihe von Beispiel-Alphabeten mit ganz unterschiedlichen Anmutungen. Bei allen Varianten erklärt die Autorin, wie diese zustande kommen – etwa durch Schwünge, gebrochene Rundungen oder Serifen. Zudem gibt sie Tipps, wie häufige Fehler vermieden werden können.

Bunt und rund

Abgerundet wird der dritte Teil durch die Themen Effekte und Farbe, Schnörkel und Bildelemente. Dabei wird deutlich, dass es dabei um mehr geht als hübsche Zugaben: Schattenlinien und dekorative Elemente lassen sich ebenso wie farbige Schriften nutzen, um Schriftbilder zu strukturieren oder um Wortbedeutungen zu visualisieren.

Chris Campe, Praxisbuch Brush Lettering, Seite 154 und 155. mitp-Verlag 2018. Foto: Janne Klöpper

Vom Buchstaben zum Layout

Natürlich macht es Spaß, einzelne Wörter oder Zeilen in schönen Buchstaben zu schreiben. Zu einem gelungenen Lettering gehört aber mehr. Folgerichtig widmet sich Chris Campe im vierten Teil des Praxisbuchs unter der Überschrift „Anwenden“ der Komposition und dem Layout von Wortbildern. Von der Idee über die Skizze zur Reinzeichnung erläutert sie Schritt für Schritt den Entwurfsprozess. Dabei vermittelt sie gestalterische Grundlagen, etwa zu Format, Flächenaufteilung und Anordnung ebenso wie Kriterien für die Auswahl der passenden Schriftart.

Chris Campe, Praxisbuch Brush Lettering, Seite 192. mitp-Verlag 2018. Foto: Janne Klöpper

Schließlich ermuntert die Autorin dazu, sich ausführlich mit dem zu gestaltenden Text zu beschäftigen und Fragen zu stellen: Was ist der Zweck des Letterings? Für wen mache ich es? Und welche Stimmung möchte ich vermitteln? Darüber hinaus zeigt sie anhand eines Beispiels ausführlich, wie verschiedene Layouts wirken und wie sich die Anmutung eines Letterings durch die Gestaltung verändert.

Konstruktive Selbstkritik üben

Und zu noch etwas ermuntert Chris Campe, nicht nur in diesem Kapitel: zur konstruktiven Selbstkritik. In Bezug auf Komposition und Layout gibt sie Tipps, wie man die Schwächen eines Entwurfs erkennt und korrigiert, wie die Überarbeitung gelingt und die Reinzeichnung entsteht.

Was mir besonders gut gefällt

  • Das „Praxisbuch Brush Lettering“ ist mit den vier Kapiteln „Vorbereiten“, „Anfangen“, „Vertiefen“ und „Anwenden“ klug aufgebaut. Anfängerinnen bietet es eine stringente Einführung in die Grundlagen des Brush Letterings und den Aufbau der einzelnen Buchstaben. Letzteres finde ich besonders hilfreich: Es macht deutlich, dass niemand alle Klein- und Großbuchstaben neu lernen muss, sondern dass sich alle Buchstaben aus wenigen Elementen zusammensetzen, die sich leicht einüben lassen. Das baut die Hürden ab, die manche beim Anblick eines schönen Brush Letterings empfinden.
  • Fortgeschrittene lernen durch das Buch, wie sich Schriften variieren lassen, wie Effekte und Farbe als Gestaltungselemente genutzt werden können und warum Schnörkel mehr als Spielerei sind. Die Ausführungen zum Entwurfsprozess vermitteln das richtige Rüstzeug und ermuntern dazu, eigene Ideen zu entwickeln anstatt – wie bei den meisten anderen Lettering-Büchern – Vorlagen lediglich abzukupfern und nachzumalen.
  • Erwähnen möchte ich hier auch die etwa 150 „guten Wörter“ am Ende des Kapitels „Anfangen“: Sie laden nicht nur ein, Großbuchstaben zu üben.  Diese schönen Wörter wie Augenweide, Budenzauber, Fidibus, Galaxie, Jubeljahre, Luftikus, Puderquaste, Sektlaune oder Zottelbär sind auch eine Fundgrube für Fortgeschrittene, die Lust haben auf die Gestaltung von Wortbildern.
  • Gefreut hat mich auch, dass Chris Campe am Ende des Praxisbuchs einige andere Letterinnen vorstellt, die mit ihren besonderen Ideen die Vielfalt der Szene zeigen, etwa Annika Sauerborn (Frau Annika), Sandra Mesas (Frau Mesas) oder Julia Bausenhardt.

Fazit

Das „Praxisbuch Brush Lettering“ ist ein schön gestaltetes, sehr klares und unaufgeregtes, im besten Sinne des Wortes schnörkelloses Lehrbuch. Die Autorin konzentriert sich auf das Wesentliche: die Vermittlung der Grundlagen und des notwendigen Wissens, um den eigenen Stil zu erkennen und weiterzuentwickeln.
Die einzelnen Kapitel sind klug aufgebaute, in sich abgeschlossene Lerneinheiten. Man merkt, dass viele Erkenntnisse aus den Workshops, die Chris Campe seit Jahren anbietet, eingeflossen sind.
Die 42 Übungsblätter ordnen die einzelnen Buchstaben nicht alphabetisch, sondern zu Grundstrich-Gruppen, was das Üben wesentlich erleichtert.
Ich kann das Praxisbuch allen Anfängerinnen empfehlen, die Brush Lettering richtig lernen wollen. Ich möchte es aber auch den Fortgeschrittenen ans Herz legen, die ihr Repertoire erweitern wollen oder die sich auf den Weg vom schön geschriebenen Wort zum schön gestalteten Lettering begeben möchten.

Ich danke dem mitp-Verlag, der mir ein Rezensionsexemplar dieses Buchs zur Verfügung gestellt hat.

Fakten zum Buch

Chris Campe: Handlettering mit dem Brushpen. Schritt für Schritt von den Grundlagen zum eigenen Stil
Broschiert, 224 Seiten
EUR 27,00
mitp-Verlag 2918
ISBN: 978-3-95845-730-0

Link zum Buch

 

Vielfältiger Klebstoff

Kennt ihr Fixogum? Für mich war das bisher ein Klebstoff, bei dem man die damit verbundenen Teile wieder voneinander lösen kann. Ein Montagekleber eben. In meinem letzten Kallegrafie-Kurs bei Claus Dorsch habe ich gelernt, dass man Fixogum auch für Aquarell-Letterings verwenden kann.

Aquarell mit Schriftzug Glück sowie Aquarellfarbe, Pinsel und Klebstoff. Lettering und Foto: Janne Klöpper

Zugegeben: Es ist nicht so einfach, mit einer Tube Klebstoff zu schreiben, aber es geht. Und es gibt ungeplante, aber interessante Effekte. Wichtig ist, dass der Klebstoff-Schriftzug komplett trocknet. Erst dann habe ich mit dem Pinsel großzügig Aquarellfarbe aufgetragen. Auch diese muss vollständig trocknen. Mit sauberen Fingern kannst du dann den Klebstoff abrubbeln. Und schon hast du ein ungewöhnliches und sehr schönes Lettering.

Ich habe das gleich genutzt, um eine Geburtstagskarte für eine Freundin zu machen.

Aquarell mit Lettering-Schriftzug happy birthday. Lettering und Foto: Janne Klöpper

Für das Folien-Lettering habe ich einen Klebestift benutzt, den Sakura Quickie Glue. Auch hier gilt: gut trocknen lassen! Erst dann die Folie auflegen und vorsichtig, aber fest andrücken. Das geht mit einem Falzbein besonders gut.

Aquarell mit Lettering-Schriftzug happy birthday sowie Klebestift, Falzbein und Goldfolie. Lettering und Foto: Janne Klöpper

Kennengelernt habe ich das Folien-Lettering bei Sandra Mesas. Sie foliert vor allem Letterings, die sie mit dem Laserdrucker ausgedruckt hat. Wie das geht, beschreibt Sandra in ihrem Blog. Es geht aber auch ohne, wie ihr seht. Das Ergebnis ist nicht ganz so sauber und gleichmäßig wie mit Drucker und Laminiergerät, aber der Effekt ist trotzdem wunderschön.

Osterkarten lettern

Eigentlich wollte ich nur ein paar Karten mit Ostergrüßen belettern. Aber dann habe ich in dem kleinen Schreibwarenladen an der Ecke gestöbert und Dekotape, Knautschpapier und Federn gefunden. Also haben mein Mann und ich abends doch was gebastelt. Voilá: Hier sind unsere diesjährigen Osterkarten!

Sechs selbstgebastelte Osterkarten mit Stiften und Schere auf einem Tisch. Foto: Janne Klöpper

Die Idee mit den Hasenohren auf der Wiese hatte ich, als ich das hellbraune Knautschpapier und daneben das Frühlingswiesen-Dekotape gesehen habe. Die Ohren haben wir nur unten mit doppelseitigem Fotokleber befestigt. So stehen die Ohrenspitzen etwas ab und wirken dadurch räumlicher.

Selbstgebastelte Osterkarte mit Hasenohren und dem Schriftzug Frohe Ostern als Lettering. Gestaltung und Foto: Janne Klöpper

Die Feder ist mit einem weißen Faden und nur einem einzigen Stich befestigt. Faden auf der Rückseite verknoten und dabei etwas Spiel lassen. So kann sich die Feder noch bewegen.

Selbstgebastelte Osterkarte mit einer Feder und dem Schriftzug Frohe Ostern als Lettering. Gestaltung und Foto: Janne Klöpper

Die gelben Letterings habe ich mit einem Brushpen von Lyra gemacht, das grüne Lettering mit einem Brushpen von Tombow. Beide Stifte haben sowohl eine Pinselspitze als auch eine Filzspitze. Die Pinselspitze der Lyra-Stifte ist etwas fester und damit besser geeignet für alle, die erst mit dem Brush Lettering anfangen.

Und jetzt: Frohe Ostern, ihr Hasen ❤

Brush Lettering lernen in Lübeck

Mit Brush Lettering Glückwunschkarten, Geschenkanhänger, Weihnachtsgrüße oder Notizbücher mit schönen Buchstaben gestalten: Das kannst du bei mir lernen! Am Sonnabend, 2. Dezember 2017 gebe ich den nächsten Schnupper-Workshop Brush Lettering. Dieses Mal findet er in Lübeck statt, und zwar in der WortWerft.

Ankündigung des Lettering-Workshops in Lübeck am 2. Dezember 2017. Zeichnung, Text und Foto: Janne Klöpper

Die aktuellen Workshop-Termine findet ihr hier.

Handlettering Watercolor: Eine Schatzkiste voller Ideen

Für alle, die schon etwas Erfahrung mit Lettering haben, bietet das Buch „Handlettering Watercolor“ von Sue Hiepler und Yasmin Reddig eine Erweiterung ihres Repertoires. Die beiden Kommunikationsdesignerinnen zeigen anhand von zehn Projekten, wie sich Aquarellmalerei und Lettering kombinieren lassen, um Geburtstagsgrüße, Danke-schön-Karten oder Wandschmuck zu gestalten.

Titel des Buchs Handlettering Watercolor von Sue Hiepler und Yasmin Reddig. Frechverlag 2017. Foto: Janne Klöpper

Materialien

Im ersten Kapitel gehen die Autorinnen ausführlich auf die notwendigen Materialien ein. Sie erläutern, welche Papiere und Farben, Pinsel und Stifte sich wofür eignen. Zudem geben sie eine kurze Einführung in Lettering-Techniken mit Fineliner, Brushpen und Pinsel und zeigen einige Grundlagen des Aquarellierens, etwa Lavieren und Lasieren.

Projekte

Der größte Teil des Buchs ist den zehn Projekten gewidmet. Dabei beschreiben Sue Hiepler und Yasmin Reddig Schritt für Schritt, wie Watercolor-Lettering-Kunstwerke entstehen. Angereichert sind diese Anleitungen mit vielen Tipps und Tricks, etwa zum richtigen Vorgehen beim Skizzieren mit Bleistift, zur Wirkung von verschiedenen Schriftarten oder zum Verhalten von Wasserfarben. Meinen Lieblingstipp habe ich auf Seite 45 entdeckt: Viele der vorgestellten Projekte sind mit Blumenmustern illustriert. Die Autorinnen raten deshalb, zur Inspiration mal in die alten Biologiebücher aus der Schulzeit zu schauen. Die habe ich zum Glück auch aufgehoben – und ich war erstaunt, wie viele Anregungen ich dort gefunden habe.

Varianten

Das dritte Kapitel schließlich ist ein kreativer Fundus: Hier gibt es jede Menge Varianten zu den floralen Elementen der vorgestellten Projekte, Übungsblätter für das Brushlettering-Alphabet sowie verschiedene Schriftarten für Handlettering.

Den kleine Reise-Aquarellkasten auf dem Foto heißt übrigens MagiCo. Ihr könnt ihn mit euren Lieblingsfarben befüllen und mit einem Magneten am Skizzenbuch befestigen.

Seiten 88 und 89 des Buchs Handlettering Watercolor von Sue Hiepler und Yasmin Reddig. Frechverlag 2017. Foto: Janne Klöpper

Videos

Richtig rund wird das Buch durch fünf Videos, in denen Sue Hiepler und Yasmin Reddig nochmal Schritt für Schritt einzelne Techniken aus den vorgestellten Projekten zeigen. Der Freischaltcode für die Videos befindet sich auf der letzten Buchseite.

Liebevolle Gestaltung

Das ganze Buch ist sehr liebevoll gestaltet. So illustrieren die Autorinnen zum Beispiel die einzelnen Abschnitte mit Zeichnungen der jeweils verwendeten Stifte, Pinsel, Radiergummis, Tuschen und Aquarellkästen. Die vielen Tipps sind ebenso wie die Seitenzahlen mit farbigen Hintergründen in Aquarelltechnik hervorgehoben.

Seiten 60 und 61 des Buchs Handlettering Watercolor von Sue Hiepler und Yasmin Reddig. Frechverlag 2017. Foto: Janne Klöpper

Schönheitsfehler

Das Buch könnte richtig toll sein – wären da nicht die vielen Fehler im Text. Es wirkt, als hätte niemand eine Schlusskorrektur vor Drucklegung vorgenommen, um etwa Worttrennungen an der falschen Stelle, fehlende Kopplungen, falsche Angaben zu Seitenzahlen bei Verweisen oder Rechtschreibfehler zu korrigieren. Besonders ärgerlich ist letzteres bei bekannten Markennamen wie Faber-Castell. Ich hoffe, dass die Korrekturen in der zweiten Auflage nachgeholt werden.

Fakten zum Buch

Sue Hiepler und Yasmin Reddig: Handlettering Watercolor
Schön schreiben und mit Aquarellfarben illustrieren
Gebunden, 112 Seiten
EUR 16,99 (D), EUR 17,50 (A)
frechverlag GmbH 2017
ISBN: 978-3-7724-8318-9

Link zum Buch

Hand Lettering Alphabete: Einkaufslisten und Pausvorlagen

 

Das im August 2017 erschienene Buch „Hand Lettering Alphabete“ von Tanja Cappell hält im Untertitel ein Versprechen bereit: „Schritt für Schritt zur eigenen Schönschrift“. Da ich mir selbst vor knapp zwei Jahren – unter anderem durch die Videoclips und Guides der Autorin – die Lettering-Welt erschlossen habe, war ich entsprechend gespannt auf ihr erstes Buch zu diesem Thema.

Was das Buch bietet

Cover Vorderseite des Buchs Hand Lettering Alphabete von Tanja Cappell. © EMF-VerlagDas Buch ist unterteilt in fünf Kapitel: Hand Lettering, Brush Lettering, Kalligrafie, Digital Lettering sowie Projekte. In der Einleitung und den ersten drei Kapiteln plaudert die Autorin in leichtem Tonfall über ihren Zugang zum Lettering und die verschiedenen Stile. Sie gibt ausführliche Tipps für das jeweilige Material (Stifte, Federn und Papier) sowie den Umgang damit. Jeweils eine Doppelseite ist für Aufwärmübungen reserviert. Danach folgen verschiedene Muster-Alphabete zum vorgestellten Stil. Zudem gibt Tanja Cappell Hinweise zu Techniken, um besondere Effekte zu erzielen, etwa durch Blending oder Schnörkel.

Im Kapitel Digital Lettering werden drei Programme zur Digitalisierung von Handgeschriebenem vorgestellt; es gibt darüber hinaus Hinweise zu Apps, mit denen sich digitale Letterings auf dem Tablet erstellen lassen. Im letzten Teil stellt Tanja Cappell dann mehrere Projekte vor, die Anwendungsbeispiele für Letterings zeigen, etwa zur Beschriftung von Ordnern, Porzellan oder Geschenkverpackungen. Ergänzt wird das Buch durch zwei Poster mit Vorlagen für Linienblätter, Muster-Alphabete und Lettering-Ideen zum Abpausen.

Was das Buch nicht bietet

Wer schon Erfahrung mit Lettering hat, findet zwar in dem Buch eine Sammlung verschiedener Stile und Techniken. Anders als der Untertitel verspricht, gibt es jedoch keine Schritt-für-Schritt-Anleitung, sondern, wie Tanja Cappell selbst schreibt, „ist alles in diesem Buch lediglich eine Sammlung meiner autodidaktischen Erfahrungen.“ (Seite 18)

Die Aufwärmübungen sind sehr knapp gehalten, und beim Brush Lettering heißt es zum Beispiel lapidar: „Sei eine Copy Cat und pause die folgenden Alphabete zu Übungszwecken immer wieder ab!“ (Seite 60) Was dabei ganz sicher weder geübt noch erreicht wird: eine eigene Schönschrift. Genau die wird im Untertitel des Buchs aber in Aussicht gestellt.

Auch zum Thema Entwurf schweigt sich die Autorin aus. Dabei gäbe es gerade hierzu viel zu sagen. Ein Lettering, also die Gestaltung einer Fläche mit Schrift, entsteht eben durch viele kleine Schritte von der Idee über die grobe Skizze und die Verfeinerung bis hin zum fertigen Werk. Ein entscheidender Teil dieses Prozesses fehlt damit im Buch komplett.

Vermisst habe ich auch Hinweise auf andere Lettering-Bücher. Gerade weil Tanja Cappell schreibt, dass es „viele Bücher mit umfangreichem Expertenwissen und speziellen Techniken“ (Seite 18) gibt und sie sich selbst „die Grundlagen (…) autodidaktisch mithilfe von englischer Fachliteratur“ (Seite 5) beigebracht hat, habe ich am Ende des Buchs ein Literaturverzeichnis erwartet. Das fehlt jedoch ebenso wie Hinweise auf andere Instagram- und Twitter-Accounts sowie Blogs oder Facebook-Gruppen zum Thema Lettering.

Was mich bei dem Buch irritiert

Ich bin in dem Buch über vieles gestolpert. An dieser Stelle möchte ich nur drei Sachen nennen, die mich richtig irritiert haben.

Im Abschnitt Faux-Calligraphy-Alphabet schreibt Tanja Cappell: „Kalligrafie bezeichnet im Allgemeinen jegliche Schrift, die klar erkennbare dicke und dünne Stellen besitzt und damit eine unterscheidbare Strichstärke aufweist.“ (Seite 46) Das ist mehr als eine sehr eigenwillige Definition: Das ist schlicht falsch. Kalligrafie ist die Kunst des Schönschreibens mit einer jahrhundertelangen Tradition in den verschiedenen Kulturkreisen. Die dicken und dünnen Striche kommen nur bei bestimmten Kalligrafie-Stilen durch die verwendeten Schreibwerkzeuge zustande. In dem Buch ist diese Vereinfachung für mich nur eines von mehreren Beispielen, bei denen ich den Eindruck habe, dass die Autorin lediglich das berücksichtigt, was in ihr Bild passt. Das gilt im Übrigen für das gesamte sehr knappe Kapitel zu Kalligrafie.

Ein weiteres Beispiel für den meiner Auffassung nach eingeschränkten Blickwinkel findet sich im Kapitel Digital Lettering: Hier beschreibt Tanja Cappell auf einer Doppelseite, wie analoge Letterings mit dem Programm Adobe Illustrator vektorisiert werden, um sie beispielsweise verlustfrei zu vergrößern. Aber zum einen ist Illustrator ein relativ teures Profi-Programm, über das vermutlich nur wenige Menschen verfügen, die Lettering als Hobby betreiben. Zum anderen ist die eigentliche Vektorisierung in Illustrator banal verglichen damit, welchen Aufwand es bedeutet, das vektorisierte Lettering über Ankerpunkte nachzubearbeiten. Mehr als den Hinweis auf eine „zeitaufwändige Fleißarbeit“ (Seite 105) liefert die Autorin dazu leider nicht. Die Frage, wie es überhaupt geht, bleibt unbeantwortet.

Im Abschnitt Bounce Lettering weist Tanja Cappell ausdrücklich auf die Stolperfallen bei sogenannten tanzenden Buchstaben hin: Zu lange Abwärtsstriche bei bestimmten Buchstaben können zu Verwechslungen führen (Seite 67). Nur eine Seite später lässt sie die Lettern aber so stark tanzen, dass der Text kaum noch zu entziffern ist (Seite 69). Damit bricht sie ihre selbst aufgestellten Regeln, ohne dass das Ergebnis überzeugt.

Mein Fazit: Einkaufslisten und Pausvorlagen

Das Buch „Hand Lettering Alphabete“ bedient vor allem die große Social-Media-Fan-Gemeinde der Autorin: Diese findet hier Einkaufslisten für das von der Autorin bevorzugte Material, kann sich genau anschauen, wie Schnörkel und Effekte in Frau-Hölle-Letterings wirken und erfährt viel Persönliches über Tanja Cappell. Wem die Arbeit an der eigenen Schönschrift dann doch zu aufwändig oder zu zeitintensiv ist, findet im Buch und auf den beigefügten Postern viele Vorlagen zum Abpausen.

Anfängerinnen und Anfängern würde ich das Buch nicht empfehlen. Hier finde ich die Videoclips von Frau Hölle sowie ihre bereits auf ihrer Website veröffentlichten Lettering-Guides sehr viel hilfreicher.

Fortgeschrittenen würde ich persönlich eher die wunderbaren Bücher von Chris Campe (Handbuch Handlettering), Martina Flor (Lust auf Lettering) und Julia Kerschbaumer (Hand Lettering) ans Herz legen.

Fakten zum Buch

Tanja Cappell: Hand Lettering Alphabete
Schritt für Schritt zu eigenen Schönschrift
Gebunden, 144 Seiten
EUR 19,99 (D), EUR 20,60 EUR (A)
EMF-Verlag 2017
ISBN: 978-3-86355-768-3

Link zum Buch