Lettering-Workshops geben. Teil 1: Ziele und Zielgruppen

Ein paar Worte vorab

Es gibt verschiedene Wege, die Kunst der schön gestalteten Buchstaben zu lernen: Bücher und Übungshefte, Videos und Workshops. Ich lerne am liebsten gemeinsam mit anderen, die auf einem ähnlichen Level sind wie ich. Und ich gebe mein Wissen und Können gerne weiter. Deshalb verdiene ich zumindest einen Teil meines Geldes damit, Workshops zu geben, etwa zu den Themen Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit. Seit Mitte 2017 gebe ich auch Schnupper-Workshops zum Brush Lettering. Beim Lettercamp in Bremen, das Anfang Februar 2019 war, habe ich in einer Session berichtet, wie ich solche Workshops plane, organisiere und durchführe. Das große Interesse an diesem Thema und die Fragen der Teilnehmerinnen haben mich bewogen, nun auch hier im Blog meine Erfahrungen weiterzugeben. Weil ich dich ermutigen möchte, selbst Workshops zu geben und andere mit dem Lettering-Virus zu infizieren!

In den nächsten Wochen wirst du hier etwas lesen zu diesen Fragen:

  • Wem möchte ich was vermitteln?
  • Wo und wann soll der Workshop stattfinden? Und wie lange soll er dauern?
  • Welche Stifte, Vorlagen und Übungsblätter brauche ich? Wie viele Bücher zum Anschauen und Stifte zum Testen nehme ich mit?
  • Wie sollte das Verhältnis von Theorie und Praxis sein? Welchen roten Faden hat mein Workshop überhaupt?
  • Wie lege ich fest, was der Workshop kostet? Wie organisiere ich die Anmeldung und was ist mit dem Datenschutz?
  • Wie mache ich auf den Workshop aufmerksam?
  • Und schließlich: Was muss ich am Workshoptag selbst beachten?

Ein Thema werde ich allerdings nicht aufgreifen: die Kooperation mit Herstellern von Stiften und Papier oder mit Verlagen. Damit habe ich keine Erfahrung und ich mag mich auch nicht damit beschäftigen. Wenn eine von euch dazu einen Gastbeitrag schreiben möchte – herzlich gerne! Dann melde dich bitte bei mir. Ich lehne Firmen-Kooperationen nicht grundsätzlich ab. Aber mein Ding sind sie nicht.

Eine weitere Einschränkung ebenfalls gleich an dieser Stelle: Meine Lettering-Workshops sind für mich ein Teil meines Hobbys. Ich konzentriere mich deshalb auch auf diesen Bereich und schreibe hier für Menschen, die ebenfalls Lettering-Workshops nebenher, also neben ihrer eigentlichen beruflichen Tätigkeit geben möchten. Etwas anderes ist es, wenn du dir mit den Workshops ein (weiteres) berufliches Standbein aufbauen möchtest. Dann stellen sich die gleichen Fragen, aber bei den Antworten wirst du noch andere Kriterien einfließen lassen müssen, insbesondere bei der Preisgestaltung. Auf diese Kriterien gehe ich am Rande auch ein.

Eines möchte ich dir ganz grundsätzlich ans Herz legen: Sei klar! Sei klar in dem, was du mit wem wann und wo machen möchtest, sei klar in der Verhandlung um Räume, sei klar in der Ankündigung und sei klar beim Workshop selbst. Das erleichtert dir und deinen Teilnehmerinnen das Leben, weil es dann weniger Missverständnisse und Irritationen gibt und Zeit bleibt für die wirklich wichtigen Dinge – zum Beispiel fürs Lettern.

In der Session beim Lettercamp hat übrigens Sandra Martin mitgezeichnet, und ihre wunderbare Sketchnote enthält (fast) alles, worüber ich hier in den nächsten Wochen schreiben werde:

Letterings-Workshops planen. Sketchnote: Sandra Martin @sam_hh

Sketchnote: Sandra Martin @sam_hh

Ziel und Zielgruppe

Jede Workshop-Planung beginnt mit zwei Fragen:

  • Was möchte ich vermitteln, was ist also mein Ziel?
  • Und wem möchte ich das vermitteln, wer ist also meine Zielgruppe?

Es ist ein großer Unterschied, ob du mit Kindern Buchstaben zeichnen, mit Jugendlichen ein Bullet Journal erstellen oder mit Erwachsenen die Brush-Lettering-Welt erkunden möchtest. Erst wenn du Ziel und Zielgruppe für dich klar hast, kannst du dir überlegen, wann und wo du den Workshop machen möchtest, welches Material du brauchst und wie lange er dauern sollte. Aber wie findest du heraus, was dein Ziel und welches deine Zielgruppe ist? Dazu würde ich dir zwei Fragen stellen:

Wie bist du auf die Idee gekommen, Lettering-Workshops anzubieten?

Vielleicht bist du Versicherungskauffrau und hast vor einigen Jahren angefangen zu lettern. Du verschickst gerne selbstgemachte Karten zu Geburtstagen und Jubliäen. Immer wieder fragen dich Freundinnen und Kolleginnen, ob du ihnen mal zeigen kannst, wie Lettern eigentlich geht. Oder du bist Kommunikationsdesignerin und gestaltest seit Jahren Werbeplakate, Zeitschriftenartikel und Buchumschläge mit deinen Letterings. Du hast bereits ein Fachbuch über Lettering geschrieben. Jetzt möchtest du für andere Designerinnen eine Fortbildung zum Gestalten mit Buchstaben anbieten. Vielleicht arbeitest du auch als Sozialpädagogin in einem Familienzentrum, letterst zum Vergnügen und möchtest das Kursangebot nun um einen Lettering-Workshop erweitern. Du siehst: Jede bringt andere Voraussetzungen mit und möchte etwas anderes erreichen.

Wem möchtest DU was vermitteln?

Vermittele am besten das, was du gut kannst und was dir Spaß macht. Vermittele es am besten Menschen, mit denen du gern zusammen bist und die Interesse an dem haben, was du tust. Schließlich soll der Workshop auch für dich ein Gewinn sein, nicht nur finanziell.

Ich habe mich zum Beispiel entschieden, dreistündige Schnupper-Workshops im Brush Lettering für Erwachsene zu geben. Die Gründe hierfür sind ganz einfach:

  • Ich habe keine Erfahrung damit, Kindern und Jugendlichen etwas zu vermitteln. Ich weiß nicht, was sie interessiert, wie sie ticken, wie sie lernen und wie ich sie bei der Stange halte. Ich arbeite auch beruflich am liebsten mit Erwachsenen. Deshalb sind sie meine Zielgruppe.
  • Workshops, die ein, zwei oder drei Tage dauern, erfordern enorm viel Vorbereitung und Standfestigkeit. Das weiß ich, weil ich solche Workshops beruflich gebe. Buchstaben zeichnen ist mein Hobby, und wenn ich Lettering-Kurse gebe, möchte ich das mit Lust und Laune machen, ohne Druck. Deshalb ist ein dreistündiger Workshop ideal für mich: Es ist – einschließlich Fahrtzeit, Vor- und Nachbereitung – ein überschaubarer Zeitraum.

Drei Stunden sind allerdings schnell vorbei. Kurze Namensrunde, Pinselstifte, Lettering-Alphabet und ein paar Bücher vorstellen, erste Strichübungen, die ersten Buchstaben, kurze Pause und Bücher angucken, die ersten Wörter – zack, sind drei Stunden rum. Niemand geht aus meinem Workshop als Lettering-Profi. Aber alle haben eine Vorstellung davon bekommen, was Brush Lettering ist, haben Pinselstifte ausprobiert, Wörter geschrieben und wissen nun grob, wie es geht. Und sie haben erfahren, dass die Buchstaben nach zwei Stunden Üben schon viel, viel besser geworden sind. Genau das ist mein Ziel: ans Lettering heranführen und Lust aufs Üben machen. Deshalb nenne ich das, was ich anbiete, Schnupper-Workshop.

Wenn du weißt, wer deine Zielgruppe ist und was du ihnen vermitteln möchtest, kannst du weiter planen: Wann und wo soll der Workshop stattfinden? Darüber schreibe ich in etwas im folgenden Beitrag, der nächsten Freitag kommt.

Praxisbuch Brush Lettering: Ein rundum gelungenes Lehrbuch

Das „Praxisbuch Brush Lettering“ der Kommunikationsdesignerin Chris Campe ist das lang ersehnte Lehrbuch für alle, die Handlettering mit dem Brushpen systematisch lernen oder ihr Können weiterentwickeln wollen. In vier Teilen zeigt die Autorin den Prozess von den ersten Strichstärkenübungen bis hin zum fertigen Lettering.

Chris Campe, Praxisbuch Brush Lettering, Titelseite. mitp-Verlag 2018. Foto: mitp-Verlag

Foto Cover: mitp-Verlag 2018

Ideal für Anfängerinnen

Die beiden ersten Teile „Vorbereiten“ und „Anfangen“ richten sich an Anfängerinnen und Anfänger. Hier geht es um Stifte, Pinsel und Papier, die richtige Hand- und Stifthaltung sowie die Einrichtung eines Arbeitsplatzes, der Lust auf das Üben macht. Zudem erläutert die Autorin anschaulich die wesentlichen Fachbegriffe des Brush Letterings: Auf- und Abstriche, Strichstärkenkontrast oder auch die Anmutung einer Schrift. Nebenbei vermittelt sie kurz und knackig typografisches und gestalterisches Grundlagenwissen, etwa zur Anatomie der Buchstaben oder Proportionen.

Üben, üben, üben

Jedes Brush Lettering beginnt mit Aufwärmübungen, um ein Gefühl für Werkzeug, Bewegung und Rhythmik zu bekommen. Deshalb stehen diese Übungen auch am Beginn des Kapitels „Anfangen“. Hier geht es um Auf- und Abstriche mit variierendem Druck, Schlaufen und Schlangenlinien. Danach widmet sich die Autorin auf mehr als 40 Seiten ausführlich den Grundstrichen des Brush Letterings, den einzelnen Buchstaben und Ziffern sowie den Verbindungen der Buchstaben zu Wörtern.

Chris Campe, Praxisbuch Brush Lettering, Seite 71 und 72. mitp-Verlag 2018. Foto: Janne Klöpper

Schließlich verrät Chris Campe ihre Tipps und Tricks, um zu einem harmonischen Schriftbild zu kommen. Aber ohne Üben geht es nicht! Um das zu erleichtern, gibt es 42 Übungsblätter mit Grundlinienrastern, Aufwärmübungen und Buchstaben, die über die Seite des mitp-Verlags heruntergeladen werden können.

Interessant für Fortgeschrittene

Im dritten Teil des Praxisbuchs steht das „Vertiefen“ im Mittelpunkt. Spätestens hier wird das Buch auch für Fortgeschrittene richtig interessant. Die Autorin erklärt ausführlich, wie Buchstabenform und Zeichenstil variiert werden können, um die Anmutung einer Schrift zu verändern und ihr dadurch einen zum Inhalt passenden Ausdruck zu verleihen. Dabei belässt Chris Campe es auch hier nicht bei theoretischen Ausführungen, sondern zeigt anhand von Beispielen, wie Variationen im Schriftbild tatsächlich aussehen.

Chris Campe, Praxisbuch Brush Lettering, Seite 112 und 113. mitp-Verlag 2018. Foto: Janne Klöpper

Dieses Kapitel enthält auch eine Reihe von Beispiel-Alphabeten mit ganz unterschiedlichen Anmutungen. Bei allen Varianten erklärt die Autorin, wie diese zustande kommen – etwa durch Schwünge, gebrochene Rundungen oder Serifen. Zudem gibt sie Tipps, wie häufige Fehler vermieden werden können.

Bunt und rund

Abgerundet wird der dritte Teil durch die Themen Effekte und Farbe, Schnörkel und Bildelemente. Dabei wird deutlich, dass es dabei um mehr geht als hübsche Zugaben: Schattenlinien und dekorative Elemente lassen sich ebenso wie farbige Schriften nutzen, um Schriftbilder zu strukturieren oder um Wortbedeutungen zu visualisieren.

Chris Campe, Praxisbuch Brush Lettering, Seite 154 und 155. mitp-Verlag 2018. Foto: Janne Klöpper

Vom Buchstaben zum Layout

Natürlich macht es Spaß, einzelne Wörter oder Zeilen in schönen Buchstaben zu schreiben. Zu einem gelungenen Lettering gehört aber mehr. Folgerichtig widmet sich Chris Campe im vierten Teil des Praxisbuchs unter der Überschrift „Anwenden“ der Komposition und dem Layout von Wortbildern. Von der Idee über die Skizze zur Reinzeichnung erläutert sie Schritt für Schritt den Entwurfsprozess. Dabei vermittelt sie gestalterische Grundlagen, etwa zu Format, Flächenaufteilung und Anordnung ebenso wie Kriterien für die Auswahl der passenden Schriftart.

Chris Campe, Praxisbuch Brush Lettering, Seite 192. mitp-Verlag 2018. Foto: Janne Klöpper

Schließlich ermuntert die Autorin dazu, sich ausführlich mit dem zu gestaltenden Text zu beschäftigen und Fragen zu stellen: Was ist der Zweck des Letterings? Für wen mache ich es? Und welche Stimmung möchte ich vermitteln? Darüber hinaus zeigt sie anhand eines Beispiels ausführlich, wie verschiedene Layouts wirken und wie sich die Anmutung eines Letterings durch die Gestaltung verändert.

Konstruktive Selbstkritik üben

Und zu noch etwas ermuntert Chris Campe, nicht nur in diesem Kapitel: zur konstruktiven Selbstkritik. In Bezug auf Komposition und Layout gibt sie Tipps, wie man die Schwächen eines Entwurfs erkennt und korrigiert, wie die Überarbeitung gelingt und die Reinzeichnung entsteht.

Was mir besonders gut gefällt

  • Das „Praxisbuch Brush Lettering“ ist mit den vier Kapiteln „Vorbereiten“, „Anfangen“, „Vertiefen“ und „Anwenden“ klug aufgebaut. Anfängerinnen bietet es eine stringente Einführung in die Grundlagen des Brush Letterings und den Aufbau der einzelnen Buchstaben. Letzteres finde ich besonders hilfreich: Es macht deutlich, dass niemand alle Klein- und Großbuchstaben neu lernen muss, sondern dass sich alle Buchstaben aus wenigen Elementen zusammensetzen, die sich leicht einüben lassen. Das baut die Hürden ab, die manche beim Anblick eines schönen Brush Letterings empfinden.
  • Fortgeschrittene lernen durch das Buch, wie sich Schriften variieren lassen, wie Effekte und Farbe als Gestaltungselemente genutzt werden können und warum Schnörkel mehr als Spielerei sind. Die Ausführungen zum Entwurfsprozess vermitteln das richtige Rüstzeug und ermuntern dazu, eigene Ideen zu entwickeln anstatt – wie bei den meisten anderen Lettering-Büchern – Vorlagen lediglich abzukupfern und nachzumalen.
  • Erwähnen möchte ich hier auch die etwa 150 „guten Wörter“ am Ende des Kapitels „Anfangen“: Sie laden nicht nur ein, Großbuchstaben zu üben.  Diese schönen Wörter wie Augenweide, Budenzauber, Fidibus, Galaxie, Jubeljahre, Luftikus, Puderquaste, Sektlaune oder Zottelbär sind auch eine Fundgrube für Fortgeschrittene, die Lust haben auf die Gestaltung von Wortbildern.
  • Gefreut hat mich auch, dass Chris Campe am Ende des Praxisbuchs einige andere Letterinnen vorstellt, die mit ihren besonderen Ideen die Vielfalt der Szene zeigen, etwa Annika Sauerborn (Frau Annika), Sandra Mesas (Frau Mesas) oder Julia Bausenhardt.

Fazit

Das „Praxisbuch Brush Lettering“ ist ein schön gestaltetes, sehr klares und unaufgeregtes, im besten Sinne des Wortes schnörkelloses Lehrbuch. Die Autorin konzentriert sich auf das Wesentliche: die Vermittlung der Grundlagen und des notwendigen Wissens, um den eigenen Stil zu erkennen und weiterzuentwickeln.
Die einzelnen Kapitel sind klug aufgebaute, in sich abgeschlossene Lerneinheiten. Man merkt, dass viele Erkenntnisse aus den Workshops, die Chris Campe seit Jahren anbietet, eingeflossen sind.
Die 42 Übungsblätter ordnen die einzelnen Buchstaben nicht alphabetisch, sondern zu Grundstrich-Gruppen, was das Üben wesentlich erleichtert.
Ich kann das Praxisbuch allen Anfängerinnen empfehlen, die Brush Lettering richtig lernen wollen. Ich möchte es aber auch den Fortgeschrittenen ans Herz legen, die ihr Repertoire erweitern wollen oder die sich auf den Weg vom schön geschriebenen Wort zum schön gestalteten Lettering begeben möchten.

Ich danke dem mitp-Verlag, der mir ein Rezensionsexemplar dieses Buchs zur Verfügung gestellt hat.

Fakten zum Buch

Chris Campe: Handlettering mit dem Brushpen. Schritt für Schritt von den Grundlagen zum eigenen Stil
Broschiert, 224 Seiten
EUR 27,00
mitp-Verlag 2918
ISBN: 978-3-95845-730-0

Link zum Buch

 

Vielfältiger Klebstoff

Kennt ihr Fixogum? Für mich war das bisher ein Klebstoff, bei dem man die damit verbundenen Teile wieder voneinander lösen kann. Ein Montagekleber eben. In meinem letzten Kallegrafie-Kurs bei Claus Dorsch habe ich gelernt, dass man Fixogum auch für Aquarell-Letterings verwenden kann.

Aquarell mit Schriftzug Glück sowie Aquarellfarbe, Pinsel und Klebstoff. Lettering und Foto: Janne Klöpper

Zugegeben: Es ist nicht so einfach, mit einer Tube Klebstoff zu schreiben, aber es geht. Und es gibt ungeplante, aber interessante Effekte. Wichtig ist, dass der Klebstoff-Schriftzug komplett trocknet. Erst dann habe ich mit dem Pinsel großzügig Aquarellfarbe aufgetragen. Auch diese muss vollständig trocknen. Mit sauberen Fingern kannst du dann den Klebstoff abrubbeln. Und schon hast du ein ungewöhnliches und sehr schönes Lettering.

Ich habe das gleich genutzt, um eine Geburtstagskarte für eine Freundin zu machen.

Aquarell mit Lettering-Schriftzug happy birthday. Lettering und Foto: Janne Klöpper

Für das Folien-Lettering habe ich einen Klebestift benutzt, den Sakura Quickie Glue. Auch hier gilt: gut trocknen lassen! Erst dann die Folie auflegen und vorsichtig, aber fest andrücken. Das geht mit einem Falzbein besonders gut.

Aquarell mit Lettering-Schriftzug happy birthday sowie Klebestift, Falzbein und Goldfolie. Lettering und Foto: Janne Klöpper

Kennengelernt habe ich das Folien-Lettering bei Sandra Mesas. Sie foliert vor allem Letterings, die sie mit dem Laserdrucker ausgedruckt hat. Wie das geht, beschreibt Sandra in ihrem Blog. Es geht aber auch ohne, wie ihr seht. Das Ergebnis ist nicht ganz so sauber und gleichmäßig wie mit Drucker und Laminiergerät, aber der Effekt ist trotzdem wunderschön.

Osterkarten lettern

Eigentlich wollte ich nur ein paar Karten mit Ostergrüßen belettern. Aber dann habe ich in dem kleinen Schreibwarenladen an der Ecke gestöbert und Dekotape, Knautschpapier und Federn gefunden. Also haben mein Mann und ich abends doch was gebastelt. Voilá: Hier sind unsere diesjährigen Osterkarten!

Sechs selbstgebastelte Osterkarten mit Stiften und Schere auf einem Tisch. Foto: Janne Klöpper

Die Idee mit den Hasenohren auf der Wiese hatte ich, als ich das hellbraune Knautschpapier und daneben das Frühlingswiesen-Dekotape gesehen habe. Die Ohren haben wir nur unten mit doppelseitigem Fotokleber befestigt. So stehen die Ohrenspitzen etwas ab und wirken dadurch räumlicher.

Selbstgebastelte Osterkarte mit Hasenohren und dem Schriftzug Frohe Ostern als Lettering. Gestaltung und Foto: Janne Klöpper

Die Feder ist mit einem weißen Faden und nur einem einzigen Stich befestigt. Faden auf der Rückseite verknoten und dabei etwas Spiel lassen. So kann sich die Feder noch bewegen.

Selbstgebastelte Osterkarte mit einer Feder und dem Schriftzug Frohe Ostern als Lettering. Gestaltung und Foto: Janne Klöpper

Die gelben Letterings habe ich mit einem Brushpen von Lyra gemacht, das grüne Lettering mit einem Brushpen von Tombow. Beide Stifte haben sowohl eine Pinselspitze als auch eine Filzspitze. Die Pinselspitze der Lyra-Stifte ist etwas fester und damit besser geeignet für alle, die erst mit dem Brush Lettering anfangen.

Und jetzt: Frohe Ostern, ihr Hasen ❤

Brush Lettering lernen in Lübeck

Mit Brush Lettering Glückwunschkarten, Geschenkanhänger, Weihnachtsgrüße oder Notizbücher mit schönen Buchstaben gestalten: Das kannst du bei mir lernen! Am Sonnabend, 2. Dezember 2017 gebe ich den nächsten Schnupper-Workshop Brush Lettering. Dieses Mal findet er in Lübeck statt, und zwar in der WortWerft.

Ankündigung des Lettering-Workshops in Lübeck am 2. Dezember 2017. Zeichnung, Text und Foto: Janne Klöpper

Handlettering Watercolor: Eine Schatzkiste voller Ideen

Für alle, die schon etwas Erfahrung mit Lettering haben, bietet das Buch „Handlettering Watercolor“ von Sue Hiepler und Yasmin Reddig eine Erweiterung ihres Repertoires. Die beiden Kommunikationsdesignerinnen zeigen anhand von zehn Projekten, wie sich Aquarellmalerei und Lettering kombinieren lassen, um Geburtstagsgrüße, Danke-schön-Karten oder Wandschmuck zu gestalten.

Titel des Buchs Handlettering Watercolor von Sue Hiepler und Yasmin Reddig. Frechverlag 2017. Foto: Janne Klöpper

Materialien

Im ersten Kapitel gehen die Autorinnen ausführlich auf die notwendigen Materialien ein. Sie erläutern, welche Papiere und Farben, Pinsel und Stifte sich wofür eignen. Zudem geben sie eine kurze Einführung in Lettering-Techniken mit Fineliner, Brushpen und Pinsel und zeigen einige Grundlagen des Aquarellierens, etwa Lavieren und Lasieren.

Projekte

Der größte Teil des Buchs ist den zehn Projekten gewidmet. Dabei beschreiben Sue Hiepler und Yasmin Reddig Schritt für Schritt, wie Watercolor-Lettering-Kunstwerke entstehen. Angereichert sind diese Anleitungen mit vielen Tipps und Tricks, etwa zum richtigen Vorgehen beim Skizzieren mit Bleistift, zur Wirkung von verschiedenen Schriftarten oder zum Verhalten von Wasserfarben. Meinen Lieblingstipp habe ich auf Seite 45 entdeckt: Viele der vorgestellten Projekte sind mit Blumenmustern illustriert. Die Autorinnen raten deshalb, zur Inspiration mal in die alten Biologiebücher aus der Schulzeit zu schauen. Die habe ich zum Glück auch aufgehoben – und ich war erstaunt, wie viele Anregungen ich dort gefunden habe.

Varianten

Das dritte Kapitel schließlich ist ein kreativer Fundus: Hier gibt es jede Menge Varianten zu den floralen Elementen der vorgestellten Projekte, Übungsblätter für das Brushlettering-Alphabet sowie verschiedene Schriftarten für Handlettering.

Den kleine Reise-Aquarellkasten auf dem Foto heißt übrigens MagiCo. Ihr könnt ihn mit euren Lieblingsfarben befüllen und mit einem Magneten am Skizzenbuch befestigen.

Seiten 88 und 89 des Buchs Handlettering Watercolor von Sue Hiepler und Yasmin Reddig. Frechverlag 2017. Foto: Janne Klöpper

Videos

Richtig rund wird das Buch durch fünf Videos, in denen Sue Hiepler und Yasmin Reddig nochmal Schritt für Schritt einzelne Techniken aus den vorgestellten Projekten zeigen. Der Freischaltcode für die Videos befindet sich auf der letzten Buchseite.

Liebevolle Gestaltung

Das ganze Buch ist sehr liebevoll gestaltet. So illustrieren die Autorinnen zum Beispiel die einzelnen Abschnitte mit Zeichnungen der jeweils verwendeten Stifte, Pinsel, Radiergummis, Tuschen und Aquarellkästen. Die vielen Tipps sind ebenso wie die Seitenzahlen mit farbigen Hintergründen in Aquarelltechnik hervorgehoben.

Seiten 60 und 61 des Buchs Handlettering Watercolor von Sue Hiepler und Yasmin Reddig. Frechverlag 2017. Foto: Janne Klöpper

Schönheitsfehler

Das Buch könnte richtig toll sein – wären da nicht die vielen Fehler im Text. Es wirkt, als hätte niemand eine Schlusskorrektur vor Drucklegung vorgenommen, um etwa Worttrennungen an der falschen Stelle, fehlende Kopplungen, falsche Angaben zu Seitenzahlen bei Verweisen oder Rechtschreibfehler zu korrigieren. Besonders ärgerlich ist letzteres bei bekannten Markennamen wie Faber-Castell. Ich hoffe, dass die Korrekturen in der zweiten Auflage nachgeholt werden.

Ich danke dem frechverlag, der mir ein Rezensionsexemplar dieses Buchs zur Verfügung gestellt hat.

Fakten zum Buch

Sue Hiepler und Yasmin Reddig: Handlettering Watercolor
Schön schreiben und mit Aquarellfarben illustrieren
Gebunden, 112 Seiten
EUR 16,99 (D), EUR 17,50 (A)
frechverlag GmbH 2017
ISBN: 978-3-7724-8318-9

Link zum Buch