Brush Lettering: Drei goldene Regeln für Stifte und Papier

Es gibt mittlerweile mehr als ein Dutzend unterschiedliche Pinselstifte für Brush Lettering: dicke und dünne, günstige und teure, Markenprodukte und No-name-Artikel. Ebenso werben verschiedene Hersteller mit speziellem Lettering-Papier. In den letzten zwei Jahren habe ich fast alle Brush Pen ausprobiert und auf verschiedenen Papieren gelettert. Mit manchen Stiften bin ich besser zurecht gekommen, mit manchen schlechter, und auch das eine Papier fand ich angenehmer als das andere. Da die Vorlieben für Material jedoch sehr individuell sind, gebe ich in meinen Workshops keine konkreten Empfehlungen zu den verschiedenen Produkten. Stattdessen vermittele ich meine drei goldenen Regeln zu Papier und Stiften.

Erste Regel: Die Größe der Pinselspitze bestimmt die Größe des Letterings

Je feiner die Pinselspitze ist, desto kleiner können die gezeichneten Buchstaben sein. Umgekehrt gilt dasselbe: Für ein großes Lettering brauchst du einen Stift mit einer dicken Pinselspitze.

Das Wort lettering mit sechs Pinselstiften in unterschiedlichen Größen geschrieben. Lettering und Foto: Janne Klöpper

Das kleinste Lettering habe ich mit dem Fudenosuke mit harter Pinselspitze (WS-BH 150) von Tombow gemacht; es ist acht Millimeter hoch und 42 Millimeter breit. Danach folgen Letterings mit dem Pentel touch (10 mm/52 mm), dem PITT artist pen von Faber-Castell (15 mm/70 mm), dem Tombow ABT Dual Brush Pen (24 mm/110 mm), dem Ecoline Brush Pen von Royal Talens (33 mm/132 mm) sowie dem Art Marker von neuland (47 mm/168 mm). Mit einem solchen Testblatt kannst du am besten den passenden Stift für dein Lettering auswählen.

Zweite Regel: Papier und Stift müssen zueinander passen

Die synthetischen Pinselspitzen der Brush Pen sind empfindlich. Sie gleiten am besten über ganz glattes Papier und behalten dann ihre Form. Auf rauem Papier fransen sie schnell aus. Wie die Spitze eines Tombow ABT Dual Brush Pen aussieht, nachdem ich damit auf Aquarellpapier gelettert hatte, konnte ich beim Blick durch mein Mikroskop sehen:

Spitze eines Tombow ABT Dual Brush Pen durch ein Mikroskop betrachtet. Foto: Janne Klöpper

Gut zu erkennen ist die ausgefranste Spitze, mit der sich keine feinen Aufstriche mehr machen lassen.

Damit diese feinen Aufstriche auch fein werden und gut aussehen und die Pinselspitzen lange ihre Form behalten, müssen Papier und Stifte zusammenpassen. Für synthetische Pinselspitzen eignen sich glatte Papiere, etwa von Rhodia, Clairefontaine oder Hahnemühle, besonders gut.

Vier Pinselstifte auf einem Block von Rhodia. Foto: Janne Klöpper

Wie glatt ein Papier tatsächlich ist, kannst du fühlen, wenn du ganz leicht darüber streichst. Kaufe niemals Papier für Letterings, ohne es gespürt zu haben! In guten Papierwarenhandlungen kannst du das Papier immer anfassen und häufig sogar darauf zur Probe etwas schreiben.

Aquarellpapier ist immer mehr oder weniger rau. Wenn du eine Aquarellmalerei mit einem Lettering kombinieren möchtest, solltest du deine Brush Pen schonen und die Buchstaben mit einem Pinsel zeichnen. Mit ein bisschen Übung geht das ganz gut.

Lettering mit flüssiger Wasserfarbe auf Aquarellpapier. Lettering und Foto: Janne Klöpper

Aquarellpinsel sind weicher als die synthetischen Pinselspitzen der Brush Pen, deshalb werden die Letterings nicht so präzise. Aber sie haben dadurch auch ihren eigenen Charme.

Dritte Regel: Letterings als Wandschmuck brauchen lichtbeständige Tusche

Wenn du ein Lettering aufhängen möchtest, verwende dafür Stifte mit lichtbeständiger Tusche. Bei den PITT artist pen von Faber-Castell kannst du an den Sternen erkennen, welche Farben lichtbeständig sind:

Drei grüne Pinselstifte von Faber-Castell mit Tusche in unterschiedlicher Lichtbeständigkeit. Foto: Janne Klöpper

Ein Stern bedeutet „bedingte Lichtbeständigkeit“, drei Sterne stehen für „höchste Lichtbeständigkeit“. Das Beispiel zeigt, dass die Lichtbeständigkeit für jeden einzelnen Farbton unterschiedlich sein kann.

Die meisten Hersteller machen auf ihren Websites Angaben zur Lichtbeständigkeit der verwendeten Tusche. So schreibt Tombow etwa in den Produktangaben für den ABT Dual Brush Pen ganz generell: „Lichtechtheit wird nicht garantiert.“ Auch viele Wasserfarben bleichen mit der Zeit aus und verlieren ihre Leuchtkraft.

Wenn du also viel Zeit und Liebe in ein Lettering investierst, das als Wandschmuck lange Freude machen soll, dann spare nicht beim Material.

Lettering "weil du toll bist" und verschiedene farbige Pinselstifte. Lettering und Foto: Janne Klöpper

Gute und lichtbeständige Pinselstifte kosten pro Stück zwischen 2,80 Euro (PITT artist pen) und 3,60 Euro (Winsor & Newton).

Mein nächster Workshop

Diese drei goldenen Regeln für Stifte und Papier stehen bei meinem nächsten Workshop in Lübeck wieder auf dem Programm:

Ankündigung des Lettering-Workshops in Lübeck am 2. Dezember 2017. Zeichnung, Text und Foto: Janne Klöpper

Anmeldungen nehme ich ab sofort gerne entgegen!

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Sketchnote-Selfie

Am Wochenende findet in Hamburg das 1. Internationale Sketchnote-Camp statt. Und ich bin dabei! Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden gebeten, sich mit einer Sketchnote vorzustellen. Voilá, hier ist mein Sketchnote-Selfie:

Selbstdarstellung als Sketchnote für das 1. Internationale Sketchnote-Camp am 23. September 2017 in Hamburg. Zeichnung: Janne Klöpper

Bei der Zeichnung konnte alle meine Lieblingsstifte einsetzen: die pigment liner von Staedler, die fine one von Neuland und die PITT artist pen von Faber-Castell. Und für das Lettering natürlich den Fudenosuke von Tombow.

Auf das Buch mit den Sketchnote-Selfies, das alle bekommen, bin ich sehr gespannt. Und natürlich darauf, viele Leute mal live zu erleben, die ich nur von Instagram oder Twitter kenne.

Ein Zeichen für Widerstand

Gestern, am 21. Januar 2017, demonstrierten in Washington D.C. mehr als eine halbe Million Menschen beim Women’s March für Frauen- und Menschenrechte. Auch in vielen anderen Ländern gab es Solidaritätsmärsche und Protestaktionen.  Frauen und Männer, junge und alte Menschen setzten damit ein weltweites, deutliches und Hoffnung gebendes Zeichen gegen die Politik des neuen US-Präsidenten.

Ein sichtbares Zeichen ihres Protestes ist die rosa Mütze, die pussyhat.

Zeichnung einer Pussyhat, einer rosa Mütze, und der Schriftzug Solidarität statt Weltschmerz. Zeichnung und Foto: Janne Klöpper

Gezeichnet habe ich diese pussyhat mit dem pigment liner von Staedler und dem Tombow ABT Dual Brush Pen in pink rose (703) und deep magenta (685) auf einem Blatt des Kalenders „Was wir lieben“ aus dem Verlag Hermann Schmidt.

Dem Weltschmerz, der auch mich nach der Wahl von Trump befallen hat, haben die gestrigen Solidaritätsaktionen etwas Wunderbares entgegengesetzt. Denn eines dürfen wir nie vergessen: die Kraft des Widerstands. Deshalb füge ich hier noch ein Lettering an, das ich vor einigen Tagen mit der App Procreate auf dem iPad erstellt habe:

Lettering And don't forget to be widerborstig. Zeichnung und Foto: Janne Klöpper

That’s it.

Woche 51: Gedanken sind nicht stets parat

Heute fielen mir zwei Zeilen von Wilhelm Busch ein, die mir bei meiner früheren Arbeit als Pressesprecherin oft Mut gemacht haben:

Lettering eines Gedichts von Wilhelm Busch: Gedanken sind nicht stets parat. Man schreibt auch, wenn man keine hat. Lettering und Foto: Janne Klöpper

Ich widme dieses Lettering allen meinen großartigen Kolleginnen in meinem Netzwerk wortstarker Frauen, dem Textreff. Ihr seid ’ne Wucht.

Wir alle machen übrigens Tag für Tag die Erfahrung: Hauptsache, es stehen schon Worte auf dem Papier oder auf dem Bildschirm. Einfach drauflos schreiben und hinterher überarbeiten ist allemal besser, als auf den perfekten Begriff oder den perfekten Satzanfang zu warten. Und zu warten. Und zu warten …

Ich nenne es mittlerweile „warmschreiben“. Ähnlich ist es auch beim Lettering und beim Zeichnen: Einfach loskritzeln, mit einzelnen Buchstaben, Tupfen, Schwüngen, Linien, Kreisen, Quadraten. Weich werden: im Handgelenk ebenso wie im Geist und in der Seele.

Geschrieben habe ich das obige Lettering mit dem Tombow Fudenosuke Brush Pen mit der etwas härteren Pinselspitze. Ein guter Stift für kleinere Schriften.

Woche 49: Lettering auf schwedisch

Die Letterattack Challenge von Frau Hölle im Dezember gibt nur die Buchstaben des Alphabets vor. Das trifft sich gut mit meinem Wunsch, in diesem Jahr nochmal ein paar schwedische Wörter zu lettern. Vier Beispiele möchte ich hier zeigen.

chokladtårta: Schokoladentorte

Lettering des schwedischen Wortes chokladtårta, deutsch Schokoladentorte, daneben ein Stück Schokolade und ein Stift. Lettering und Foto: Janne Klöpper

drottning: Königin

Lettering des schwedischen Wortes drottning, deutsch Königin, mit einer gezeichneten Krone und einem Stift. Lettering und Foto: Janne Klöpper

fika: vespern

Lettering des schwedischen Wortes fika, daneben ein gezeichneter gelber Becher mit Kaffee und zwei Zimtschnecken auf einem blauweiß-gestreiften Tablett. Lettering, Zeichnung und Foto: Janne Klöpper

glasögon: Brille

Lettering des schwedischen Wortes glasögon, daneben eine Nickelbrille und ein schwarzer Stift. Lettering und Foto: Janne Klöpper

Zum Lettern verwende ich gerade alle Stifte mit Pinselspitze, die ich habe: den Pitt artist pen von Faber-Castell, den ABT Dual Brush Pen von Tombow, den Pentel touch und den Pentel Color Brush. Das Papier ist von Clairefontaine, ein Block mit Spiralbindung in DIN A5 quer. Ein gutes Format für diese kleinen Fingerübungen.

Die anderen Beiträge von mir zur Letterattack Challenge gibt es auf meinem Instagram-Account.

Woche 46: Novembermorgen

Heute morgen beim Frühstück fiel mir eine Zeile aus dem Lied „Novembermorgen“ von Klaus Hoffmann ein. Sie passte zum Regen, zu meiner Stimmung, zu den letzten gelben Blättern an den Bäumen.

Lettering der Liedzeile Hol mir die Kraft aus Sommertagen und lebe im November davon. Text: Klaus Hoffmann. Zeichnung und Foto: Janne Klöpper

Das Lettering entstand auch, weil ich meinen neuen Stift von Tombow ausprobieren wollte: den Fudenosuke Brush Pen. Was soll ich sagen? Ich bin froh, dass ich die beiden Stifte (mit einer harten und einer weichen Spitze) endlich habe! Obwohl ich gerne auch auf dem iPad schreibe, gefällt mir das Lettern und Zeichnen auf Papier (hier von Clairefontaine) sehr viel besser. Es ist ruhiger, meditativer, sinnlicher.

Das Lied Novembermorgen, das aus Klaus Hoffmanns Album „Was fang ich an in dieser Stadt“ von 1978 stammt, könnt ihr übrigens hier hören.

Woche 40: Eva-Lottas Zeichenschule (2)

Anleitungen für mehr als 70 Bildvokabeln hat die Sketchnoterin Eva-Lotta Lamm mittlerweile auf Twitter und Instagram veröffentlicht. In den Videos zeigt sie Strich für Strich, wie die Bilder entstehen: durch Linien, Punkte, Bögen, Wellen und Kreise. Die Gegenstände auf das Wesentliche reduzieren – das lerne ich durch die Vorlagen von Eva-Lotta. Hier zwölf weitere Bildvokabeln, die ich nach ihren Vorlagen gezeichnet habe:

12 verschiedene Bildvokabeln für Sketchnotes, zum Beispiel Gitarre, Donut, Regenschirm, Rakete, Kirschen, Orange, Erdbeere. Zeichnungen und Foto: Janne Klöpper

Die Skizzen habe ich mit den ABT Dual Brush Pens von Tombow gemacht. Die Stifte hatte mir mal – wegen der Pinselspitze – für das Brush Lettering gekauft. Inzwischen zeichne ich aber auch gerne mit der feinen Faserspitze.